Mit Sprach-Guerilla gegen Witschas

Die Irrfahrt der Spitze des Bautzener Landratsamts geht weiter: Herr Vizelandrat Witschas erklärt seine Kuschel-Chats mit Nazi via „Oberlausitzer Kurier“ unwidersprochen zur „Gefährderansprache“. Darauf kann man auch nur innerhalb derselben rechten Parallelgesellschaft kommen.

Das Disziplinarverfahren, das Herr Witschas mittlerweile unter dem Druck der öffentlichen Debatte reichlich verspätet gegen sich beantragt hat (sein Chef Landrat Harig sieht offenbar keinen Handlungsbedarf), soll nach Darstellung des Landratsamts zum Beweis führen, dass alles in Ordnung ist. Ergebnisoffen sieht anders aus. Mal gucken, was die zuständige übergeordnete Landesdirektion aus der Sache macht.

Wenn das Landratsamt es so mit den Rechten hält, dann sollten auch wir unsere Rechte ab jetzt immer voll ausschöpfen. Das bedeutet: Kein deutsches Wort mehr im Behördenverkehr mit dem Bautzener Landratsamt . Alles auf Sorbisch – egal worum es geht und mit wem. So entspricht es der sächsischen Verfassung und dem Sorbengesetz. Und wehe euch, wenn eure hausinterne Übersetzung unserer Texte nicht tiptop ist und daher die Antwort auf falscher Grundlage beruht.

Ich verurteile physische, psychische und materielle Gewalt. Wir stehen für den Frieden, den Herr Witschas massiv stört. Mit einem Landratsamt, dessen verantwortliche Spitze nicht grundwertesicher ist, gibt es keine gemeinsame Sprache mehr. Sollte Herr Witschas also weiter im Amt gehalten werden, wäre eine solche sorbische „Sprachguerilla“ (aus dem Instrumentenkasten der „Spaßguerilla“) eine der vielen Möglichkeiten zivilgesellschaftlicher Gegenwehr, über die wir nachdenken sollten.

Mit einem Landratsamt, das mit Flüchtlingsfeinden kungelt und Leute, die illegale Wegweiser ohne Sorbisch „korrigieren“, von der Polizei verfolgen lässt (um nur mal zwei aktuelle Schandtaten herauszugreifen), gibt es keine gemeinsame Basis. Harig predigt im aktuellen Amtsblatt: „Wir sind ein Teil des Ganzen.“ Nein, das sind wir nicht. Dein „Ganzes“ ist nicht meines.

Links zum Thema:

http://www.mdr.de/sachsen/bautzen/witschas-greift-nach-strohhalm-landesdirektion-100.html

http://www.huffingtonpost.de/2017/08/28/cdu-npd-bautzen_n_17852802.html

„Influencer“ ohne Einfluss

Bei der Konkurrenz gucken schadet nie. Die CDU-Landtagsfraktion stellte in ihrer Zeitung die mutmaßlich meistgefolgte Bloggerin Sachsens vor – von um die zwanzigtausend regelmäßigen Interessenspersonen ist die Rede. Um Mode soll es da vor allem gehen. Als ich probeweise reinklickte, war’s ein (noch) unkommentierter Beitrag übers Leben mit Kreditkarte, der praktischerweise gleich in (vermutlich auch finanzieller) Zusammenarbeit mit Visa entstanden sei.

Solche Blogs gelten als „Influencer“. Was Einflussreichtum suggerieren soll. Das scheint die Statistik nahe zu legen, erreichen doch ansonsten recht erfolgreiche Blogs hierzulande kaum mehr als täglich 50 Reinguckende. Ich selbst spiele in der Liga der „Normalos“, mein Beitrag über Bautzens Vizelandrat erreichte bislang 577 Lesende, und mein Braumann-sorbisch-Blog Piwarc hat an guten Tagen so seine 200 Aufrufe. Ansonsten ist das Leben des Bloggenden wie das Dasein an sich eine Sinus-Kurve: mal rauf, mal runter.

Die „Influencer“-Nummer ist ein Treppenwitz, der durch ständige Wiederholung nicht an Ernsthaftigkeit gewinnt. Keiner wäre in grauer Moderne-Frühzeit darauf gekommen, den massenhaft konsumierten Drei-Groschen-Romanen wegen ihrer exorbitanten Auflagen auch nur einen Hauch von gesellschaftlichem Einfluss zuzuschreiben. Sie waren Trash so wie die meisten „Influencer“-Blogs, die das Banale durch unentwegte Verdichtung kommunikativ scheinbar schwerwiegend machen. Während eine regionale Tageszeitung auch den meisten derer bekannt ist, die sie normalerweise nicht lesen, kennt die Banal-Blogs keine Sau außer denen, die in ihnen surfen – das ist, wie es bei den Drei-Groschen-Romanen war.

Ich versage mir den klischeehaften Verweis auf „Masse statt Klasse“, weil das so automatisch natürlich auch nicht stimmt. Allerdings funktioniert das Internet mit Netzwerken, und wenn ein kleiner Knoten von 50 Erreichten auf die Nachbarknoten ausstrahlt, die wiederum … (und so weiter), dann entstehen Einflüsse. Einfluss heißt ja nicht: Mich nehmen viele Leute wahr. Dieser Fehlschluss ist Narzissmus, die zeitgenössische Seelenstörung Nummer eins. Einfluss heißt, dass jemand durch das, was er in den Strom einfließen lässt, dessen Zusammensetzung bzw. Lauf, und sei es noch so minimal, verändert. Schwimmt das publizierende Individuum einfach nur auf dem Strom allgemeiner Gefühligkeit, fühlen sich in seinen Zeilen vielleicht ganz viele zu Hause, aber sie leben nach deren Lektüre weiter, als hätten sie sie nicht gelesen.

Ich habe überhaupt nichts gegen modische oder Mode-Blogs, ich gucke ja auch manchmal per Smartphone sinnfreie Videos zu reinen Entspannungszwecken. Ich gehe auch nicht davon aus, dass ich nun die große Einflusskanone bin – ich mische in meinem Kreisen ein bisschen mit, so wie das unzählige andere Leute in ihren Kreisen auch tun. Gemeinsam sind wir stark. Oder in einem schönen Bild von Jurij Brězan: „Ganz im Mittelpunkt unseres Kontinents – wie viele hierzulande irrtümlich glauben, also auch der Welt – entspringt die Satkula, ein Bach, der sieben Dörfer durchfließt und dann auf den Fluss trifft, der ihn schluckt. Wie die Atlanten, so kennt auch das Meer den Bach nicht, aber es wäre ein anderes Meer, nähme es nicht auch das Wasser der Satkula auf.“

„Er sagt, was er macht“

Für uns Mitteleuropäer links der Mitte steht eigentlich fest: Trump ist ein universales Unglück, Obama war ein tragischer Held. Auch ihr Umgang mit Muslimen fließt in diese Bewertung ein.

Nun musste ich neulich beim Abendessen in Dresden wieder zur Kenntnis nehmen, dass meine jungen muslimischen Freunde aus Syrien das ganz anders sehen. Trump sei besser, denn „er sagt, was er macht.“ Im Unterschied zu Obama.

Der gute Obama wurde zwar rasch zum Friedensnobelpreisträger, aber seine Drohnen und „chirurgischen“ Operationen töteten fast ohne Unterlass – manchmal auch „versehentlich“ eine Hochzeitsgesellschaft. Darüber wurde in unseren Breiten mangels eigener Betroffenheit weniger ausführlich berichtet.

Aus Sicht meiner syrischen Freunde ist Trump, den die Politikelite der westlichen Welt für absolut unzuverlässig hält, ein zuverlässig berechenbarer, transparent agierender Politiker.

Das dürfte nicht die ganze Wahrheit sein. Aber unsere ist es vielleicht auch nicht. Wer global analysieren will, sollte global mit denen diskutieren, die mit Politikfolgen praktisch vertraut sind. Das schafft Einsichten jenseits grüner Tische.

Wetten, wann Witschas geht

Der Lokalchef der „Sächsischen Zeitung“ Bautzen bleibt auch nach dem Entzug der Zuständigkeit von CDU-Vizelandrat Udo Witschas für die Ausländerbehörde dabei: „Echte Konsequenzen sind angesagt, politische Kosmetik kann sich der Landrat sparen.“ Ja, er bescheinigt CDU-Landrat Michael Harig, er stricke „fleißig mit an der Legende, Witschas habe alles getan, die Lage in Bautzen zu beruhigen.

Harigs Legende vom Deeskalator

Das Gegenteil ist der Fall: Der Vize-Landrat hat mit provozierenden Interviews die Lage eher verschärft. (Anm. MDB: so etwa dieses: http://www.sz-online.de/nachrichten/der-asylbewerber-hat-provoziert-3742966.html, das die Fakten auf den Kopf stellt http://www.mdr.de/investigativ/bautzen-kornmarkt-fluechtlinge-rechte-100.html.)

Und er hat einen stadtbekannten Neonazi mit Informationen aus dem Landratsamt versorgt. Sein Gegenüber nutzte diese Quelle, um eine rechtsextreme Facebookseite zu füttern. Witschas wusste das und stimmte sich in einzelnen Fällen sogar detailliert mit dem ehemaligen NPD-Mann ab. Ein solches Verhalten wirkt nicht deeskalierend, es stärkt die rechtsextreme Szene.“

http://www.sz-online.de/nachrichten/kommentar-politische-kosmetik-genuegt-nicht-3756280.html

Witschas weiter Herr über jugendliche Geflüchtete?

Hinzu kommt verschärfend, wie Annalena Schmidt gerade geschrieben hat, dass Witschas mit dem Jugendamt für „unbegleitete minderjährige Asylsuchende“ zuständig bleibe:

http://www.schmanle.de/2017/08/23/endgueltiger-vertrauensverlust/

Das eigentlich – unbeschadet möglicher Abwahlanträge im Kreistag – auf der Hand liegende beamtenrechtliche Disziplinarverfahren gegen Witschas, das Sachsens Linksfraktionschef Rico Gebhardt angeregt hat, mochte Harig bisher nicht einleiten:

http://www.linksfraktionsachsen.de/index.php?section=news&cmd=details&newsid=4904&teaserId=6

Neben Chat „mit offenen Worten“ telefoniert

Und das nicht, obwohl die Durchsicht des kompletten Chatprotokolls, dass auf einer Sondersitzung des Landrats und seines Stellvertreters mit den Fraktionsvorsitzenden des Kreistags am Montagabend vorgelegt wurde, ergeben hat, dass es zusätzlich zu dem schon unüberbietbar skandalösen Chatprotokoll weiteren Witschas/Wruck-Telefonverkehr „mit offenen Worten“ gab, wie Radebergs OB und SPD/GRÜNE-Kreistagsfraktionschef Gerhard Lemm auf Twitter kundtat:

https://twitter.com/gerhard_lemm/status/900282308720300032

Harigs derzeitige Position ist allerdings auch nicht vergnügungssteuerpflichtig: Er laviert irgendwo in der Mitte zwischen einem CDU-Kreistagsfraktionschef, der gar keinen Fehler sehen wollte, und CDU-Parteimitgliedern, die einen Rücktritt von Witschas schon für angemessen halten. Die CDU Bautzen hatte ja selbst auf ihrer Facebookseite dieses breite Spektrum von parteiinternen Statements zur Sache beschrieben:

https://twitter.com/conny123452 (auf Twitter zitiert von Leserin der Facebook-Antwort)

So fordert die CDU-Stadträtin Elisabeth Hauswald, die zur Gruppe Bautzener „Stadträte für Respekt und Miteinander“ gehört, öffentlich den Rücktritt von Witschas

http://www.sz-online.de/nachrichten/ruecktritt-von-witschas-gefordert-3757000.html

Jetzt (24.8.) ließ sich gar der stellvertretende CDU-Kreistagsfraktionsvorsitzende, der Radiborer Bürgermeister Vinzenz Baberschke, in der sorbischen Zeitung „Serbske Nowiny“ dahingehend vernehmen, es sei mit gewissem Abstand eine entstandene Dynamik in der Angelegenheit des 1. Beigeordneten Witschas zu beobachten. Die CDU-Fraktion werde sich auf einer Sitzung am kommenden Montag verständigen. Unterdessen haben die Fraktionen SPD/GRÜNE und LINKE bereits das Quorum für eine Kreistags-Sondersitzung erfüllt.

Nun ist die „NPD-Chataffäre“, wie sie der MDR-Sachsenspiegel bezeichnet. schon vom puren Inhalt her eigentlich das sichere Ende für jeden Politiker, der als im demokratisch-bürgerlichen Spektrum angesiedelt verstanden werden möchte:

http://www.mdr.de/sachsen/bautzen/chat-protokoll-102.html

Dass die Lokalpresse inzwischen den Vizelandrat einer gravierenden unzutreffenden Aussage bei seiner Rechtfertigung und damit des „Durchstechens“ von Dienstgeheimnissen an eine kreisbekannte Führungsfigur der rechtsextremen Szene überführt hatte (siehe letzter Absatz des Beitrags in der Sonnabend-Ausgabe), wirkt zusätzlich schwer belastend:

https://www.sz-online.de/nachrichten/tillich-fordert-aufklaerung-zu-npd-kontakten-3753796.html

Rohrkrepierer „Unerfahrenheit“

Wie heikel selbst der langgediente Landrat Michael Harig die Lage einschätzt, ergibt sich schon aus seiner argumentativen Ausflucht in die vermeintliche „Unerfahrenheit“ seines ersten Beigeordneten:

https://www.sz-online.de/nachrichten/landrat-watscht-witschas-ab-3755463.html

Das löst aber nicht nur beim Kommentator der sorbischen Zeitung „Serbske Nowiny“ Kopfschütteln aus. Herr Witschas ist 16 Jahre hauptamtlicher Politiker, überwiegend als Bürgermeister. Da weiß man, was geht und was nicht. Und dass das, was er mit Herrn Wruck getrieben hat, eigentlich nicht geht, weiß er auch, schließlich hatte er selbst im Chat von zu erwartendem Ärger gesprochen.

Rücktrittsforderungen unumstößlich

Wer nun sagt, in Bautzen wird so einer eben im Amt gehalten, geht in der konkreten Sache m.E. fehl. Gerade weil es im Landkreis Bautzen auch so aussieht, wie das Bündnis „Bautzen bleibt bunt“ in seiner auf Rücktritt von Witschas abzielenden Petition geschrieben hat, kann er unmöglich an führender Stelle im Landratsamt verbleiben, wenn nicht der Ruf des Kreises (und nebenbei auch der des Freistaates) restlos ruiniert werden sollte:

https://www.openpetition.de/petition/online/tun-sie-etwas-gegen-den-rechtsradikalismus-im-kreis-bautzen

Das Bündnis „Willkommen in Bautzen“ hält an seiner Rücktrittsforderung fest:

https://www.facebook.com/willkommeninbautzen/posts/674193172774107

Auch Kreis-Spitzenpolitiker wie Linksfraktionschef Ralph Büchner und Dirk Nasdala von den Freien Wählern fordern weitere Konsequenzen

http://www.mdr.de/mediathek/mdr-videos/a/video-132120.html

http://m.sz-online.de/nachrichten/wir-erwarten-weitere-konsequenzen-3756265.html

Falls die CDU bockig bleiben sollte, wird als Alternative „Degradierung“ von Witschas erwogen. So könnte er mit einfacher Mehrheit vom 1. zum 2. Beigeordneten zurückgestuft werden, wenn der Landrat zustimmt.

http://www.mdr.de/sachsen/bautzen/spd-fuer-sondersitzung-witschas-100.html

Dann würde die parteilose 2. Beigeordnete Birgit Weber erste Stellvertreterin von CDU-Landrat Harig werden.

http://www.lr-online.de/regionen/hoyerswerda/Neues-Trio-an-der-Kreisspitze;art1060,4158624

http://www.landkreis-bautzen.de/2665.html

Die einzige wirkliche Lösung ist und bleibt jedoch die schlichte Abwahl und damit die Verabschiedung von Herrn Witschas aus dem Landratsamt, wier sie nun fraktionsübergreifend angestrebt wird:

http://www.sz-online.de/nachrichten/fall-witschas-sondersitzung-gefordert-3757220.html

Die Vorbelastung ist einfach zu groß. Auch die von Herrn Witschas. Zunächst erklärte er vor einem halben Jahr sein Unverständnis über die Förderung von Flüchtlings-Integrationsprojekten in Bautzen. Ausgerechnet im soziokulturellen Zentrum „Steinhaus“, über das er später per Facebook-Messenger mit Wruck konspirieren sollte:

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1061097.cdu-politiker-schickt-nazispitzel.html

Kurz bevor seine Vertraulichkeiten mit dem führenden Nazi enthüllt wurden, hatte er noch dem MDR-Reporter Arndt Ginzel, der auch Mitautor des Buchs „Unter Sachsen“ ist (wo er über Überfälle von Rechtsextremisten auf sorbische Jugendliche schreibt), auf mehrfaches Nachfragen zu verstehen gegeben, dass ihm nicht bekannt sein, dass mindestens 250 Rechtsextremisten in seinem Landkreis ihr Unwesen treiben, wie selbst der Verfassungsschutz weiß:

http://www.mdr.de/investigativ/video-129102.html

Nazis geachtet statt geächtet

Der Grundsatz „Mit Nazis spricht man nicht“, den der „Tagesspiegel“-Journalist und Sachsen-Kenner Matthias Meisner, Mitherausgeber des Buches „Unter Sachsen. Zwischen Wut und Willkommen“, auf unserer gemeinsamen Podiumsdiskussion am Donnerstag im „Haus der Sorben“ in Bautzen unter großer Zustimmung der Anwesenden im überfüllten größten Saal des Hauses auf den Punkt brachte

http://www.lr-online.de/regionen/hoyerswerda/Matthias-Meisner-Mit-Nazis-spricht-man-nicht;art1060,6166416,

wird von einem Teil des politischen Establishments der Region anhaltend vorsätzlich missverstanden (auch Landrat Harig traf sich wiederholt mit Wruck, wenngleich nicht in der von Witschas gewählten intimen Kommunikationsweise). In einer Demokratie müsse man doch mit allen reden. Natürlich wird bspw. ein Bürgermeister einem Menschen, der sich in seinem Redebeitrag auf einer Einwohnerversammlung faktisch als Nazi entpuppt, ordentlich antworten. Es steht aber nirgendwo geschrieben, dass man Funktionäre und Rädelsführer menschenfeindlicher Bewegungen durch Direktkontakt achtet und aufwertet.

Ich habe auf besagter Veranstaltung im Zusammenhang mit dem äußerst bescheidenen juristischen Ergebnis der Staatsanwaltschaft nach der Serie von Übergriffen auf sorbische Jugendliche 2014 sinngemäß gesagt: Die Polizei, insbesondere das OAZ und sein Chef Bernd Merbitz, aber auch Repräsentanten der demokratischen Parteien und der Zivilgesellschaft, haben den sorbischen Jugendlichen den Rücken gestärkt. Unterm Strich ist unser Selbstbewusstsein im Gebrauch der sorbischen Sprache im öffentlichen Raum gestärkt worden. Entscheidend ist nicht die Zahl der Gerichtsurteile, sondern ob solche Umtriebe abseits der Zivilisation klar geächtet werden.

Im Fall Witschas geschieht das Gegenteil: Achten statt Ächten. Und diejenigen, die sich um eine freundliche, humane Gesellschaft kümmern, und sei es als Flüchtlingshelfer, werden als verdächtig behandelt.

Landkreis Bautzen Schlusslicht bei dezentraler Refugees-Unterbringung

Witschas verwahrt sich in seinem Chat mit Wruck gegen ein „Integrationszentrum“ Spreehotel, weil ein „Zentrum“ nicht zu Integration passe. Tatsächlich aber steht der Landkreis Bautzen (trotz erheblichen Wohnungsleerstandes) der Antwort von CDU-Innenminister Markus Ulbig auf eine Kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten der LINKEN, Juliane Nagel, zufolge sachsenweit mit Abstand an der Spitze bei zentraler Unterbringung von Menschen im Asylverfahren:

http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=10060&dok_art=Drs&leg_per=6&pos_dok=1&dok_id=undefined

Über 75 Prozent zentral Untergebrachte im Landkreis Bautzen, nur 25,67 Prozent dezentral bzw. in Wohnungen. Im Landkreis Görlitz leben 40,5 Prozent in Wohnungen, in Leipzig fast die Hälfte (trotz Wohnungsmangel).

Vergessen wollen wir auch nicht (Danke für Hinweis auf Facebook, Tobias Wilke), dass der CDU-Kreisverband Bautzen seinerzeit „überhaupt keine Veranlassung“ sah, den CDU-Gemeinderat zu rügen oder zu kritisieren, der als Mitwirkender einer selbsternannten „Bürgerwehr“ von Arnsdorf auftrat, die einen irakischen Epilepsiepatienten ohne jede Not geschlagen und gefesselt hatte…

http://www.tagesspiegel.de/politik/arnsdorf-in-sachsen-buergerwehr-fesselt-fluechtling-nach-streit-im-supermarkt/13678214.html

Fazit

Ganz begreife ich nicht, warum Landrat Harig und de facto auch der CDU-Kreistagsfraktionschef mit ihrem Spiel aus Kosmetik und Blockade den Konflikt immer näher an die Bundestagswahl heranlaufen lassen. Jeder weiß, dass jedes Wort der vergangenen Tage auch gesagt worden wäre, wenn am 24. September keine Bundestagswahl wäre. Es reicht einfach: Vor drei Jahren machte der Bautzener CDU-Kreisvorstand mit NPD-Sprech von sich reden, der Bautzener CDU-Landtagsabgeordnete Marko Schiemann distanzierte sich öffentlich:

https://lauterbautzner.eu/2014/09/23/schiemann-distanziert-kreis-cdu-19455591/

Der Auszug aus dem Interview Schiemans mit der „Sächsischen Zeitung“ Bautzen unter Bezugnahme auf den NPD-Sprech-O-Ton der Kreis-CDU ist hier dokumentiert:

https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2014/09/SZ_Bautzen_Auszug.png

Wer das nochmal nachliest, wundert sich über gar nichts mehr. Sollte Witschas jetzt bleiben, hätte die politische NPD-Logik im Mantel der Christdemokratie in unserem Kreis gesiegt. Das möchte ich weder unserem Heimatlandkreis noch denjenigen meiner sorbischen Freundinnen und Freunde zumuten, die als gute wertkonservative Christen der hiesigen CDU angehören. Deshalb kann Herr Witschas nicht im Spitzenbereich der Landkreisverwaltung bleiben, wenn das Amt nicht von allen guten Geistern verlassen sein soll.

PS.:

Die Lausitzer Bundestagsabgeordnete der LINKEN, Caren Lay, berichtete auf der „Unter Sachsen“-Diskussion im Haus der Sorben die Begebenheit mit einer schwarzafrikanischen Frau, die wegen des rassistischen Klimas von Bautzen nach Hoyerswerda gezogen sei, wo sie nun in Ruhe leben könne, und ihr das dort im Büro erzählt habe. Weltoffenes Hoyerswerda. Wie kam es dazu, nach den rassistischen Pogromen von 1991?

Ein Hoyerswerdaer Kommunalpolitiker klärte mir das so auf: Wir ziehen hier seit 25 Jahren mit der RAA durch die Schulen. Das wirkt sich aus. – Da ist zu fragen: Was wurde seit Anfang der 90-er in der Stadt Bautzen, wo sich jetzt die Konflikte so zuspitzen, getan, wie stand insbesondere die CDU in all den Jahren zu konsequenter antirassistischer Bildungsarbeit?

https://raa-sachsen.de/raa-sachsen-4.html

http://www.raa-hoyerswerda.de/

Foto: Der zurzeit fast ausgetrocknet erscheinende Bautzener Stausee – fast wie ein Symbol für das, was Witschas und Harig gerade in den Sand setzen.

Wenn Witschas, Wruck u.a. Bautzen mal drei Monate in Ruhe ließen

Wäre (Noch?)-Landrats-Vize #Bautzen Udo #Witschas zum #UnterSachsen -Abend ins Haus der Sorben

http://www.lr-online.de/regionen/hoyerswerda/Matthias-Meisner-Mit-Nazis-spricht-man-nicht;art1060,6166416

gekommen – hätte dann die Ausschlussklausel gegen Personen, die „der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind“, auf ihn Anwendung gefunden 😎? Schließlich kursierte zu diesem Zeitpunkt schon das Chatprotokoll von Witschas und einem führenden Nazi des Kreises, in dem der CDU -Mann nach allgemeiner Medieneinschätzung vertraulich wie mit einem Parteifreund kommunizierte. Also gefühlt Männer derselben „Szene“ 😒.

http://m.sz-online.de/nachrichten/der-vertraute-rechtsextreme-3752954.html

Das Landratsamt Bautzen war von Anfang an das rechte Gegenstück zu #RefugeesWelcome. Als unsereiner im Frühjahr 2015 ohne Mietanspruch zwei junge syrische Kurden aus der nahen Asylunterkunft für knapp zwei Jahre bei sich im Haus aufnahm (mittlerweile wohnen und arbeiten sie in Hoyerswerda bzw. der Kamenzer Gegend), ging dem ein langwieriges Ringen mit der Behörde voraus. Man fremdelte offenbar trotz erheblicher Kostenersparnis mit solcherart familiärer Integration. Die Zustände in der Ausländerbehörde in Kamenz waren sowie unbeschreiblich. Und als es eine Außenstelle in Bautzen gab, empfing uns dort ein glatzköpfiges Security-Duo mit einem Jargon, den ich mir bei schlechten Gefängnisaufsehern vorstelle.

Wie von mir bei #UnterSachsen gesagt: Wir Sorben sind seit 1.500 Jahren in der #Lausitz , haben die Deutschen irgendwie integriert 😊und werden auch künftig unseren Beitrag zur Integration weiterer Migranten leisten. – Die Deutschen dürfen sogar in ihrer Sprache sprechen 😉, es wäre daher im Sinne einer gewissen historischen Dankbarkeit nett, wenn das Landratsamt diejenigen, die seine illegalen einsprachigen Wegweiser mit der sorbischen Bezeichnung ergänzen, nicht mehr von der Polizei verfolgen lassen würde.

Nicht als Domowina-Präsidiumsmitglied, sondern privat als @piwarc füge ich hinzu: Da nun schon „King Abode“ drei Monate Bautzen nicht betreten darf – können nicht vielleicht auch die Witschas- und Wruck-Szenetypen ein Vierteljahr lang einfach mal diese schöne Stadt, die „Hauptstadt der Sorben“ 😉, in Ruhe lassen, damit wir entspannter leben können?

Salam aleikum! Wam wšěm. Und allen Menschen guten Willens.

Das Gesichtsbuch spinnt

Facebook_SpamFacebook_StandardsDer Versuch, diesen NTV (!)-Beitrag über Gregor Gysis Statement zu FKK auf Facebook zu posten, http://www.n-tv.de/leute/Gysi-findet-Verschwinden-von-FKK-schade-article19974617.html

verbunden mit eigenem Kommentar dazu, scheiterte erstmal daran, dass Facebook die Veröffentlichung unter Verweis auf Spam automatisiert ablehnte. Die Bekräftigung, der Post sei Absicht, nicht Spam, wurde mit der Ankündigung gekontert, er könne gegen die sogenannten gemeinschaftlichen Standards dieser Kommunikationsplattform verstoßen und müsse daher nochmal einzeln kontrolliert werden.

Meine traditionellen Vorurteile, dass Facebook letztlich nur ein streng regulierter belangloser Umschlagsplatz für Trash aller Art ist, werden durch diesen Eingriff gegen die intelligente Kombination aus Geist und Körper aufs Heftigste bekräftigt. Oder unter dem Motto #Abendland gesagt: Meine muslimischen Freunde aus dem Morgenland hätten mit der NTV-Illustration kein Problem, aber ein Unternehmen, in dessen Herkunftsland die Waffenkultur des legalisierten privaten Totschießens (natürlich nur im vermeintlichen Notfall) herrscht, sieht die Welt durch nackte Hinterteile am Strand bedroht.

Anknüpfend an Gysi ist man fast versucht zu sagen: Nicht nur FKK verschwindet, sondern auch die öffentliche Kommunikation darüber wird eingeschränkt, damit sich bloß niemand mehr ein Bild davon machen kann. Nein, so schlimm ist es nicht; wenn man Hintern dokumentieren will, muss man das ja nicht auf dem Gesichtsbuch tun. Und eigentlich geht uns doch Facebook sowieso am Arsch vorbei. Wer gegenüber Hass toleranter ist als gegenüber Nacktheit, hat ein vom guten Geschmack abweichendes Verständnis von Freizügigkeit.

Die ganz Jungen sind da längst weg und bei Snapchat, wo sie sich ihre hübschen Körper ungehindert untereinander zuschicken, ehe sie wunschgemäß blitzartig wieder verschwinden.

Mit Kant gegen Kapitalismus

Wenn mehr oder weniger alle der Meinung sind, dass der Kapitalismus im Grunde an allem irgendwie schuld ist, folgt daraus alles Mögliche – und damit eben nichts. Schaut man sich die zeitgenössische Weltuntergangsliteratur an (Warnung vor Weltbürgerkrieg und so), dann fällt auf, dass sich die Wehklage im Kern auf die Jahrtausende alte Mahnung vor Raffgier, Selbstsucht und deren Folgen reduzieren lässt.

Das können wir bzw. die nach uns Kommenden noch ein paar Jahrtausende fortsetzen, wenn die jeder Generation in Aussicht gestellten Weltuntergänge doch noch so schnell nicht eintreten. Ich wuchs mit der Erwartung des Atomkriegs auf, dann kam das Waldsterben, die sich auflösende Ozonschicht und als Kontinuum die Predigt wider einen angeblich heutzutage besonders schrecklichen Egoismus. Vielleicht braucht die Zivilisation zu ihrer Selbstregulierung auch solche Negativ-Kontrastprogramme, um als Antwort darauf das Beste aus dem Leben zu machen.

Jedenfalls war das Alltagsleben in unseren Breiten noch nie so friedlich wie heute. Noch nie war die Wahrscheinlichkeit so gering, als Kind missbraucht oder als junger Mann in eine Wirtshausschlägerei verwickelt zu werden. Man kann sich in aller Öffentlichkeit skurrilen esoterischen Bräuchen hingeben, ohne als Hexe verbrannt zu werden. Man kann auch praktisch überall zu jeder Zeit spazieren gehen, ohne mit relevanter Wahrscheinlichkeit überfallen zu werden – wahrscheinlich auch deshalb, weil unentwegt vor „rechtsfreien Räumen“ gewarnt wird.

Ich finde, dass in dem verrufenen und seinerzeit vermutlich eher allgemein peinlichen Slogan „Überholen, ohne einzuholen“ aus den Tiefen der DDR bezogen auf die heutige Weltlage viel Wahres steckt. Wenn der Turbokapitalismus mit seinen Transaktionen in Sekundenbruchteilen die ganze Welt umspannt, ohne wirklich die Welt als Eines, Ganzes denken zu können, dann müssen wir genau dies tun.

Also den Kantschen kategorischen Imperativ „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“ nicht nur auf die eigene Gemeinde oder das eigene Land oder den Kontinent, sondern die ganze Erde zu denken. Da gibt’s dann in allen Ländern und Gesellschaften – Unterschiedliches – zum Nachdenken. Zum Beispiel bei uns, dass es unverantwortbar ist, dass selbst in Regionen mit abnehmender Bevölkerung die Versiegelung des Bodens unentwegt zunimmt. Zum Beispiel in einem anderen Land, dass man schwerlich stabile soziale Verhältnisse zustande bringt, wenn sich die Bevölkerung alle 15 oder 20 Jahre verdoppelt.

Ich fand immer schon die Diskurse lächerlich, dass die Chinesen das Weltklima gefährden, wenn sie nicht mehr Fahrrad, sondern jetzt auch alle Auto fahren wollen. Vielleicht fahren wir dafür mehr Fahrrad, schließlich haben wir in Mitteleuropa samt Vorfahren bisher weit mehr Autoabgase emittiert und Ressourcen für Kfz-Bau verbraucht als das chinesische Riesenreich. Vielleicht entdecken dann auch die Chinesen, die aufmerksam die ganze Welt beobachten, wieder, dass insbesondere im Großstadt-Gedränge Fahrradfahren das Vernünftigste ist.

Die globale Durchsetzung des kategorischen Imperativs ergibt als Nebenprodukt die angemessene Zähmung des Kapitalismus, der im Kern immer aufs Monopoly-Spiel hinausläuft: Am Ende haben einige wenige fast alle und damit die anderen Griff. Das löst bei denen Wut und Empörung aus, auch bei denen, die gar nicht unter prekären Umständen leben müssen, sondern relativ wohl situiert. Denn der Mensch will – das ist die Frucht der Moderne und damit des Kapitalismus (Achtung, dialektischer Widerspruch!) – das Gefühl haben, Herr seines Lebens zu sein.

Damit ist die Macht der (Finanz- und sonstigen) Oligarchien unvereinbar, die ja eben nicht nach dem kategorischen Imperativ, sondern dem Prinzip der Mafia arbeiten: Wir haben die Macht und dominieren die Gesetzmäßigkeiten unserer Umwelt. Das Paradox der Gegenwart besteht nun darin, dass viele Leute auch in Demokratien solchen oligarchischen Typen huldigen – frei nach dem Motto: Sie kennen sich ja mit dem Bösen in der Welt aus und werden es uns vom Hals halten, wenn wir sie als unsere Paten erwählen. Insofern ist ihr Votum für Trump, Erdoğan oder Putin wie eine politische Schutzgeldzahlung.

Dem tritt man nicht mit moralisierender Anklage im Namen des tatsächlichen oder vermeintlich Guten entgegen, sondern mit Fakten eigener Politik, die die Welt wirklich mehr ins Gleichgewicht bringen. Dazu gehört gnadenlose Plausibilität. Zum Konzept KATEGORISCHER IMPERATIV UND EINE WELT passt nicht, in Deutschland gegen Islamismus zu kämpfen und Saudi-Arabien Waffen zu liefern. Man sieht an diesem Beispiel: Es ist nicht schwer, die Liste des Praktischen, das daraus folgt, jeden Tag zu komplettieren.

Aber eben nur durch „Überholen, ohne einzuholen“, eine schlichte Rückabwicklung des Kapitalismus wäre verheerend. Denn das weltweite Unbehagen am Kapitalismus ist, wie schon angedeutet, die Frucht des Kapitalismus selbst, der die Unterwürfigkeit des Feudalismus beseitigt hat. Das bleibt auch sein historischer Verdienst. Denn zurück zum Feudalismus wollen wir ja nicht, daran ändert auch die weit verbreitete folkloristische Verehrung der britischen Königsfamilie nichts. Im Gegenteil, es ist das unbeschwerte Spiel mit etwas, das zwar für immer vergangen, aber scheinbar schon (stellvertretend für alle) gewissermaßen von den Toten auferstanden ist: als ewig hübsche kleine Familie von Menschen wie du und ich.

Preistreibende Marken-Mystik

Führende Politiker der Visegrád-Staaten werfen Handelskonzernen Diskriminierung der Kundschaft in diesen Ländern in punkto Preis und Qualität vor:

https://www.tagesschau.de/ausland/nutella-konflikt-slowakei-101.html

Zu der Frage, ob die unterschiedliche Produktmischung Benachteiligung oder Berücksichtigung verschiedener Geschmacks-Erwartungen ist, will ich mich mangels Beurteilungskompetenz nicht äußern. Was die Preise angeht: Ich war schon vor Jahren befremdet, dass meine Moods-Zigarillos in Liberec teurer waren als in Dresden – und habe daraus als Konsument Schlussfolgerungen gezogen. Nun versuche ich sowieso, regional einzukaufen, also im „Kaufland“ in Uherske Hradiště im diesjährigen Sommerurlaub die Produkte der Kampagne „Z lásky k Česku“.

Gerade bei Lebensmittelerzeugnissen ist es ein Gebot sozialökologischer Vernunft, in Sachsen sächsische und in Mähren mährische Produkte zu bevorzugen. Natürlich nicht nur in der Kaufhalle, sondern auch beim Händler an der Straße, bei dem wir die wundervollen mährischen Aprikosen (s. Bild) erwarben. Selbstverständlich ist es völlig o.k., auf dem Markt in Görlitz auch Obst und Gemüse aus dem benachbarten polnischen Zgorzelec und Umgebung zu kaufen. Und ganz werde ich nie dieser irischen Butter untreu, auch wenn die sächsische mit auf dem Einkaufszettel steht.

Nun hat die Medaille zwei Seiten: So schnell vergesse ich das Bild der Filiale einer deutschen Drogeriemarkt-Kette in Krakóv nicht, in der ich im Januar nach „meinem“ Shampoo suchte – und es auch fand, allerdings um die Hälfte teurer als in Sachsen. All diese überteuerten Erzeugnisse waren übrigens in deutschsprachiger Verpackung, der Laden trotz all dessen (oder gerade deswegen?) gut mit Kundschaft gefüllt. Irgendwie erinnerte mich das an die Bilder vom Schlangestehen fürs „Ei-Fon“, dessen Preisbildung mutmaßlich ebenfalls metaphysisch-mythologisch geprägt sein dürfte.

Statt um billigere Marken bei den Händlern derselben zu betteln wäre es daher wirkungsvoller, ein markenunabhängiges regionales Selbstbewusstsein zu fördern.

#BerlinerPolizei 😎

Wenn junge Ordnungshüter eine Nacht in einem ehemaligen Asylheim nicht aushalten, weil da kein Fernseher ist und ihnen kein Freizeitprogramm geboten wird, ist das erstaunlich. Man könnte ja auch mit seinem Smartphone spielen – oder ein Buch lesen 😊.

Die teilweise sehr robust formulierten Social -media -Beiträge zu diesem Thema (s. Dok) berühren – einerseits – etwas Wahres. Es ist nicht verboten, unter freiem Himmel zu pinkeln oder Geschlechtsverkehr zu haben, und man darf auch mal etwas mehr Alkoholhaltiges zu sich nehmen (meine Oma hatte Klosterfrau Melissengeist). Erst recht auf einem abgegrenzten und gar nicht so ganz öffentlichen Areal.

Andererseits stehen solche Hundertschaften und insbesondere die Berliner Polizei nicht immer gerade im Ruf besonderer Feinfühligkeit im Umgang mit den Mitmenschen. Was der AfD gefällt, weshalb sie sofort Verständnis auch für diesen Exzess äußerte.

Unsereiner amüsiert sich klammheimlich: Party machen darf jeder; wer aber unbeliebt ist, unterliegt immer einer strengeren Moral. Und als Eure Hamburger Kollegen öffentlich die Nase rümpften über Euch, weil Ihr nicht „hanseatisch“ aufgetreten seid, dachte ich mir: Wirklich mögen tun die Euch nicht 😉.

Meine Oma hatte das Bescheidenheits-Dogma: Man muss immer den untersten Weg gehen. Die Hauptstadt -Polizei wird klugerweise jetzt den Weg der Demut gehen 😎.

Karibik in der Lausitz?

Man sorge für karibische Bedingungen in der Lausitz, meinte der Chef der LMBV, die sich mit viel Steuergeld um die Rekultivierung der früheren Braunkohle-Gruben kümmert, mit Sinn für Humor. Das wachsende Lausitzer Seenland, egal wer wo an ihm bastelt, hat natürlich mit der Karibik rein gar nichts zu tun.

Erstmal gibt’s bei uns viel mehr Winter als Sommer. Also die Zahl der Tage, an denen wir spärlich bekleidet unter freiem Himmel herumlungern können, bleibt – Klimawandel hin oder her – überschaubar. Und damit jede Gastronomie ein schlecht bezahltes Saisongeschäft.

Dann übersteigt schon jetzt das Angebot weit die Nachfrage. An „unserem“ Strand, der nie überlaufen war, nimmt die Zahl der Besucher spürbar ab – weil es ständig neue Badebereiche gibt, auf die sich die Leute verteilen. Wenn ich aber selbst an einem warmen Sommerabend beim Traditionsstrand des Bärwalder Sees, des größten in Sachsen, um sieben Uhr abends nix mehr zu essen kriege, braucht mir keiner was über Karibik zu erzählen.

Nebenbei: Wir sind ja nicht doof. Die Seen wurden nicht zur Volksbeglückung angelegt. Sondern weil es am billigsten ist, die Tagebaulöcher mit Wasser vollaufen zu lassen. Unsere Sommerfrische mit kleinerer Ostsee-Kopie und Meeresrauschen-Imitat ist sozusagen die Kollateralfreude 😎.

So haben wir Lausitzer Heide- und Teichland-Bewohner noch ein gigantisches Naherholungsgebiet in der Nähe. Dank der Tschechen, die zu Hause auf dem Trockenen sitzen und deshalb gern gelegentlich bei uns baden und skaten, ist auch ein bisschen Leben in die Bude gekommen.

Falls zu unseren Lebzeiten noch jemand da oben Neubesiedlung versuchen sollte, gucken wir uns das dann an. Wegen der Rutschungsgefahr auf dem Land, die entgegen ihren Behauptungen die LMBV auch auf freigegebenen Flächen nicht ausschließen kann (fragt unsere Landtags-Geologin Dr. Jana Pinka), bin ich für ein schwimmendes sorbisches Dorf. So holen wir uns das abgebaggerte Siedlungsgebiet wieder zurück. 😊

Foto: Sommerabendstimmung am Bärwalder See – Boxberger Seite