Sorbische Institutionen für ganze Lausitz ins Seenland!

Zur Ideenwerkstatt „Lauen-Areal, Haus der Sorben und die Sorben in Bautzen“, zu der die „Stiftung für das sorbische Volk“ für Freitagabend vor Pfingsten nach Bautzen eingeladen hatte, erklärt Marcel Braumann, Vorsitzender des Domowina-Regionalverbandes Hoyerswerda und Teilnehmer der Veranstaltung:

Die Sorben-Stiftung ist keine Stiftung für die Sorben in Bautzen, das am südlichen Rand des sorbischen Siedlungsgebietes liegt, sondern für die gesamte Lausitz. Steuergeldfinanzierte sorbische Institutionen, deren Zielgruppe in der Ober- und Niederlausitz lebt, müssen künftig auch einen Sitz im geographischen Zentrum der sorbischen Lausitz haben, im Lausitzer Seenland.

Da nun im Zusammenhang mit der anvisierten Millionen-Investition in denkmalgeschützte Ruinen auf dem Bautzener „Lauen-Areal“ über alle möglichen dort anzusiedelnden Institutionen spekuliert wird, eine klare Ansage mit zwei Beispielen aus der Realität: Die geplante neue obersorbische Sprachschule gehört dorthin, wo Sorbisch im Alltag auf der Straße erlebbar ist, zum Beispiel in die Sprach-Hochburg Crostwitz. Die vom sorbischen Museum gewünschte Galerie für zeitgenössische Kunst gehört ins moderne Hoyerswerda. Es sei erinnert: Von 1957 bis 1971 gab es in Hoyerswerda das Museum für Sorbische Volkskunst.

Ich habe daher begonnen, in Briefen und Gesprächen bei Verantwortlichen und Interessierten in Bautzen dafür zu werben, sofort in Verhandlungen z.B. mit der Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda über verfügbare Objekte in der Seenland-Stadt einzutreten. Zugleich habe ich der sorbischen Community ein Thesenpapier „aus Gesamtlausitzer sorbischer Perspektive“ zur Neuausrichtung der Standorte ans Herz gelegt. Im Mittelpunkt steht das offizielle Hauptziel der Stiftung: die Förderung regionaler sorbischer Sprachräume.

Das sorbische Siedlungsgebiet muss auch in seinen Institutionen für die allgemeine Öffentlichkeit in der ganzen Lausitz sichtbar sein. Niemand verlangt, dass das Sorbische Institut aufs Dorf zieht, und es können gerne auch weiter sorbische Einrichtungen einen Standort in Bautzen haben, aber die Konzentration sorbischer Institutionen auf Bautzen ist veraltet und überholt. Denn damit werden u.a. die Brandenburger Sorben und die mittlere Lausitz, wo der sorbische Dachverband gegründet wurde, an den Rand gedrückt, aber auch die Potenziale der Dörfer des sorbischen Kerngebietes nicht angemessen einbezogen.

Wir stehen in den nächsten Monaten vor harten Verhandlungen. In diese müssen endlich auch die Regionalverbände der Domowina mit einbezogen werden – auf Augenhöhe und ohne Vorfestlegungen. Dass jetzt erstmals öffentlich eine Plattform gegeben war, die offenen Grundsatzfragen anzusprechen, ist immerhin schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.

Nach den Wahlen in Hoyerswerda

Meine Erklärung als Domowina-Regionalvorsitzender zum Ausgang der Stadtratswahlen in Hoyerswerda (erstveröffentlicht in Facebook-Gruppe):

„Ich bin natürlich vor allem gespannt, mit welchen Menschen im Beirat für sorbische Angelegenheiten wir als Domowina-Regionalverband künftig zusammenarbeiten dürfen. Angesichts der offenkundig offenen Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat setze ich mal darauf, dass letztlich das Gute in der Sache gewinnt. Oder wie neulich jemand sagte: In der Differenz entsteht Wahrheit.“

NEU: „Haus Hoyerswerda“

Neuer Domowina-Blog erzählt ab heute aktuell über sorbisches Leben in und um Hoyerswerda

Heute vor 74 Jahren, am 10. Mai 1945, wurde der sorbische Dachverband, den die Nazis verboten hatten, nach Kriegsende wiedergegründet. Aus diesem Anlass hat der Vorsitzende des Domowina-Regionalverbandes Hoyerswerda, wo die Domowina 1912 gegründet worden war, einen Internet-Blog „DOM Hoywoy“ (Haus Hoyerswerda) ins Leben gerufen, in dem er einer breiten Öffentlichkeit über Alltägliches und Besonderes der sorbischen Community erzählt. Den Anfang macht ein Beitrag über das Symbol der Domowina, das in diesem Jahr 70. Geburtstag feiert.

Dazu erklärt Marcel Braumann, Regionalvorsitzender der Domowina Hoyerswerda:

„Drei Lindenblätter wachsen aus einem abgebrochenen, aber noch festverwurzeltem Baumstamm – was soll das denn? Nicht nur das Symbol des sorbischen Dachverbandes, das in diesem Jahr seit 70 Jahren besteht, löst Erklärungsbedarf aus. Ich habe in den vergangenen Monaten festgestellt, dass das Interesse am Sorbischen als Beitrag zur Identitätsstiftung der Region stark zunimmt, damit verbunden aber auch der Wunsch zu erfahren, was hinter den äußeren Formen steckt.

Das sorbische Leben erscheint vielen Menschen wie ein Phantom, das sich zu bestimmten festlichen Anlässen materialisiert und dann wieder verschwindet. Zugleich wird immer wieder geäußert, die Sorben blieben zu sehr unter sich, weshalb ihr Leben vielen Leuten wie ein unlösbares Rätsel erscheine. Mit dem Blog wird in zeitgemäßer Weise Transparenz hergestellt. Die Leser haben natürlich die Möglichkeit, alle Beiträge ungefiltert zu kommentieren oder weitergehende Fragen dazu zu stellen. Zugleich können sie sich über das Kontakt-Formular jederzeit unabhängig von Bürozeiten direkt an mich wenden.“

Der Blog ist über https://hoywoy.home.blog erreichbar. Der erste Beitrag direkt so:

https://hoywoy.home.blog/2019/05/09/linde-als-symbol-sorbischen-lebens/

 

Neue sorbische Regional-Marke in der zentralen Lausitz

DOM Hoywoy = Haus Hoyerswerda. Im Mittelpunkt der Lausitz-Tower, von dem aus die ganze Region überblickt werden kann. Dazu das Emblem des sorbischen Dachverbandes und die Farben der Community und des ganzen Landes.

In diesem neuen Bild von uns steckt unser Programm. Es ist daher auch das Titelbild des neuen Blogs des Župans, des Regionalvorsitzenden der Domowina Hoyerswerda, zu deren Territorium Elsterheide, Hoyerswerda, Lohsa, Spreetal und Wittichenau gehören. Er startet am Tag nach dem Tag der Wiedergründung der Domowina (10. Mai), die schon zwei Tage nach Kriegsende wieder offiziell existierte.

Jetzt erfinden wir das Sorbische neu – gemeinsam mit den Menschen dieser Stadt und Region im Zentrum der Lausitz, die Hoywoy und Umgebung nun im zur Neige gehenden Kohle-Zeitalter auch neu erfinden.

https://hoywoy.home.blogHeader_DomHoywoyBlog

Wer wollen wir sein?

Wir haben noch kein neues Bild von uns. Aber es entsteht gerade. Wir glauben zu wissen, wie es im 19. Jahrhundert aussah und was im 20. Jahrhundert noch davon übrig war. Was unser Bild im 21. Jahrhundert ist, davon haben wir noch keine Ahnung. So wie sich Hoyerswerda gerade selbst neu erfindet, tut dies auch unsere Community. Und sie tut das gemeinsam mit der Stadt- und Landgesellschaft in und um Hoywoy, zu der sie gehört.

Krabat und Seenland sind als Leitbilder benannt. Es ist unsere gemeinsame Vision. Die Marketing-Kampagne für „die sagenhafte Familienstadt im Lausitzer Krabat- und Seenland“ hat Substanz, ihre Programmatik hat’s in sich: Freiheit, die ich mir leisten kann; Familienglück mit der Natur, Leben wie im Urlaub. Das fetzt, das kommt gut.

Was unter @mein_hoyerswerda bei Instagram schon in Bildern bunter Vielfalt wächst, von der ewig aktuellen Story verliebter Paare mit kleinen Kindern bis hin zur altehrwürdigen Osterreiterprozession mit immer wieder jungen Gesichtern, kann uns inspirieren, unser eigenes zeitgemäßes und zugleich zeitloses Bild zu finden. Es gibt kein Zurück – weder ins sorbische Kleinstadt-Idyll noch ins Schwarze-Pumpe-Großkollektiv.

Kein Kitsch. Der passt nicht zu Hoywoy, dessen schillernder Heiliger Gundermann ist, ein sündiger Held mit tugendhafter Reuekompetenz, ein kerniges Sensibelchen, in dem wir uns alle wiederfinden können. Wer wollte nicht mal Baggerfahrer sein und zugleich vorsingen können? Dazu jetzt noch die Auferstehung des von Enthusiasten längst entdeckten Krabat. Der aus Verführungen Transformation macht – genau unser Ding.

Das Einzige, was dem Krabat noch fehlt, ist der Sex. In allen bisher öffentlichen Überlieferungen des schließlich doch hochbetagten, wechselvollen Daseins der historischen Figur findet sich dazu – gar nichts. Beim Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters phantasierten wir im kleinen Kreis über Krabats Geliebte. Ich bitte die Literatur, hier nachzuhelfen.

HY: Sorbisch auferstanden

Im Gründungshaus des sorbischen Dachverbandes Domowina, im Bürgerzentrum am Marktplatz von Hoyerswerda, wird wieder regelmäßig sorbisch gesprochen. In der Kneipe der Kulturfabrik, des Trägervereins des städtischen Hauses, trafen sich erstmals auf Einladung des Vorsitzenden (župan) des Domowina-Regionalverbandes „Handrij Zejler “ Hoyerswerda, Marcel Braumann, sorbische Jugendliche aus Wittichenau, Crostwitz, Räckelwitz, Bautzen und Leipzig zur Gründung des „Klubs junger sorbischer Freigeister“.

Sorbische Zeitung und sorbischer Rundfunk (s. Bild auf MDR online zum Beitrag) widmeten der Auferstehung der sorbischen Sprache im Alltag des früheren sorbischen Zentrums der Lausitz ausführliche Berichterstattung. Auch ein Kameramann der MDR-TV-Sendung „Wuhladko“ (sorbisch mit deutschen Untertiteln) war mit dabei. Sascha Klein führte für die Osterausgabe der „Lausitzer Rundschau“ mit dem župan ein Interview, dem alles Weitere zur Philosophie des neuen Formats zu entnehmen ist:

https://m.lr-online.de/lausitz/hoyerswerda/hoyerswerda-sorbische-jugend-trifft-sich-in-der-kulturfabrik_aid-38209987?fbclid=IwAR1so2NDnQozZWsw8g1-p3ieApqheKuwtbQee3ePckISzvhnFUnQds2CRXI

Nachdem vor ein bis zwei Generationen die Weitergabe der sorbischen Sprache in Hoyerswerdaer Familien aus vielerlei in den damaligen Zeitumständen wurzelnden Gründen fast vollständig zum Erliegen kam, holen wir sie nun mit Unterstützung von Jugendlichen aus dem sorbischen Kerngebiet wieder zurück. Nun sind die Hoyerswerdschen Jungs und Mädels, die auf der Grundschule Am Adler und ggf. danach auf dem Lessingymnasium und Johanneum Sorbisch hatten/haben, herzlich eingeladen: Pójće a čińće sobu! Hier geht was ab, was es sonst nirgendwo gibt. 😎

Kontakt zum „župan“: Kinderleicht. Zum Beispiel über diesen Blog.

Groß Partwitz / Parcow lebt – 50 Jahre nach seinem Ende

Liebe Groß-Partwitzer aus aller Welt,

Sie stellen mit dem Partwitz-Treffen jedes Jahr unter Beweis: Ihre Gemeinschaft ist lebendig, und es ist eine Freude, als Gast mit dabei sein zu dürfen!

Im Namen des Domowina-Regionalverbandes Hoyerswerda, seiner 800 Mitglieder in 20 Vereinen und Gruppen wünsche ich Ihnen heute anlässlich der Erinnerung an das Ende von Groß Partwitz vor 50 Jahren: Möge hier in 21 Jahren das 50. Partwitz-Treffen stattfinden! Deshalb ist es ganz wichtig: Bleiben Sie gesund und halten Sie weiter so schön zusammen!

Das Dorf Parcow, wie es sorbisch hieß, wurde zwar erst vom Tagebau verschluckt und danach vom See. Aber dank Ihres großen Engagements lebt Ihre Gemeinschaft hier und heute in Klein Partwitz, das wir Bjezdowy nennen, bei schönstem Frühlingswetter weiter.

Ich als Auswärtiger brauche Ihnen, den Einheimischen, natürlich jetzt nicht mein angelesenes Wissen über Groß Partwitz vorzutragen. Sie kennen die Geschichte des Ortes am besten und haben mich, wofür ich dankbar bin, schon ein wenig in die historischen Schätze Ihrer Gemeinschaft eingeführt.

Herr Dieter Jordan hat mich ja schon vor Weihnachten letzten Jahres eingeladen; man sieht also, sehr geehrter Herr Rasper, die Organisation des Partwitz-Tages verläuft langfristig und generalstabsmäßig. Das ist eine gute Grundlage für die Zukunft Ihrer Zusammenkunft.

Wir freuen uns natürlich, dass Sie die Domowina eingeladen haben. Domowina bedeutet Heimat. Das Sorbische, die Sprache und die Kultur, gehört zum Fundament der Heimat in unserer Region. Und es ist schön, dass Sie an das Sorbische denken und die sorbische Gemeinschaft an Ihrem Partwitz-Treffen ganz offiziell teilhaben lassen.

Ich bin mit meiner Frau oft im Lausitzer Seenland mit dem Fahrrad unterwegs. Unter den Seen liegen die früheren sorbischen Dörfer. Es wäre schön, wenn die Menschen, die an und auf den Seen unterwegs sind, sehen könnten, wo diese Dörfer einst ihren Bewohnern Heimat gaben. Das könnte zum Beispiel mit Bojen geschehen und wäre Ausdruck des Respekts vor dem Leben damals, ohne das es uns alle heute gar nicht geben würde. Gerne unterstützen wir als Regionalverband den Wunsch nach solchen schwimmenden Markierungen, so teuer kann das ja nicht sein.

Der Regionalverband der Domowina ist nach dem evangelischen Pfarrer Handrij Zejler benannt, der in Lohsa wirkte. Und es ist daher ein wirklicher Segen, dass wir heute den Gottesdienst mit einem evangelischen Pfarrer feiern durften, dem Superintendenten im – nun, ja, Ruhestand kann man das ja wohl nicht nennen, was Sie so machen, sehr geehrter Herr Pfarrer Vogel. Auch Sie haben schon, wie Handrij Zejler, auf Ihre Weise Geschichte geschrieben.

Aus sorbischer Perspektive ist die Geschichte von Groß Partwitz so wie die der meisten anderen Dörfer auch. Es gab Pfarrer, die es mit den Sorben gut meinten, und es gab auch einen Lehrer, der Kinder schlug, weil sie sorbisch sprachen. Heute unvorstellbar, wo wir mit dem „Witaj-Projekt“ in vielen Kindergärten der Region den Kleinsten wieder das Sorbische beibringen – zur Freude der Eltern, die selbst kein sorbisch können. Und ich konnte mich bei der Vogelhochzeit des Kindergartens in Schwarzkollm davon überzeugen, wie das Sorbische wieder gelebt wird.

Die Domowina hatte in Parcow bei der Neugründung 1945 sage und schreibe 70 Mitglieder. Als der Tagebau den Ortskern erreichte, gab es noch 21 Frauen, die in sorbischer Tracht gingen. Knapp 15 Jahre zuvor wurden hier 200 der sorbischen Sprache kundige Menschen gezählt. Bis zum Ende der Tage von Groß Partwitz hielt sich der sorbische Brauch des Zamperns.

Wir sind ja hier in Sachsen. So gerade eben. Aber eigentlich spielt die Landesgrenze für uns Sorben keine Rolle. Unser Regionalverband gehört eigentlich zum obersorbischen Sprachraum. Aber wir haben mehrere Dörfer auf unserem Territorium, die sich dem Niedersorbischen verbunden fühlen. Und so nimmt es nicht wunder, dass der bedeutendste Vertreter der niedersorbischen Literatur um die Mitte des 19. Jahrhunderts, Kito Fryco Stempel, in Groß Partwitz geboren wurde.

Beim Vorgespräch mit Herrn Jordan habe ich gesagt: Wir sind es ja gewohnt, zu feierlichen Anlässen Blumen mitzubringen. Aber wenn ich an einem Gedenkort mit Blumen erscheine, sieht das aus wie eine Beerdigung. Wir waren uns einig: Das wäre völlig unpassend. Denn wir haben ja heute keine Trauerfeier.

Sie kennen ja auch sicher das aus dem Sorbischen kommende Sprichwort: „Gott hat die Lausitz geschaffen, aber der Teufel die Kohle darunter.“ Das klingt schlüssig, aber die Welt ist ein bisschen komplexer als unsere schönsten Sprüche. Auch viele Sorben haben in und mit der Kohle gelebt, nicht zuletzt aus dem Grund, den Bürgermeister Koark bereits genannt hat: Der Sandboden war für die Landwirtschaft nicht sehr ertragreich. Und auch wenn die Kohle nicht wäre und Groß Partwitz immer noch am angestammten Platz stünde, würde dort heute vermutlich keine Frau mehr in sorbischer Tracht gehen – und wahrscheinlich auch nicht mehr viele Menschen sorbisch sprechen.

Meine Oma sagte immer gern: Das Leben ist ein ewiges Kommen und Gehen. Es gab eine Zeit, da ging das Sorbische, und zurzeit kommt es wieder. Damals erschien es nicht mehr modern, nun in der Epoche der Rückbesinnung auf die Verwurzelung im Regionalen ist es wieder anerkannt und geschätzt. Wir waren gestern auf einem Jazz-Abend in Zeißig, der junge Sänger kündigte seine nächsten Alben an: auf Englisch, deutsch und in erzgebirgischer Mundart. Und sagte, dass ihm das Mundart-Album das Wichtigste ist. So sieht der Trend der Zeit aus!

Unser sorbisches Leben wird natürlich in zwanzig Jahren nicht so sein wie 1950. Die Welt hat sich weitergedreht, und auch die Sorben gehen mit der Zeit, und sie sollen es auch, wie schon Handrij Zejler überzeugt gewesen ist.

Sorben haben schon immer Höchstleistungen zu unserer gemeinsamen Gesellschaft beigesteuert. Auch die aus Groß Partwitz. Zum Beispiel der Spitzen-Abiturient des Jahrgangs 1960 Dieter Krawc. Seine Leistung ist in der Zeitschrift „Chorhoj měra”, Fahne des Friedens, Wochenzeitung der FDJ für die sorbische Jugend festgehalten.

(Übergabe des gerahmten Beitrages an den damaligen 1,0-Abiturienten der Erweiterten Oberschule in Kleinwelka)

Ja so jara wjeselu, zo sće Wy hižo hako hólčec telko wažneje wědy nahromadźił. Serbski lud móže na Was hordy być. Wosebje pak so wjeselimy, zo sće serbskim naležnosćam hač do dźensnišeho w swojej nowej domiznje kruće zwjazany. W nadawku zhromadźizny wobydlerjow Parcowa směm Wam tu składnostnje 29. zetkanja nastawk časopisa “Chorhoj měra” přepodać. Wostańće strowy a serbskemu ludu swěrny – wutrobny dźak a zapłać Bóh za wšo!

Ich denke, die Szene spricht für sich und bedarf keiner Übersetzung. Zugleich darf ich Hernn Buder für seine Recherchen danken, die diesen Artikel aus dem Archiv zutage gefördert haben.

Gehen wir gemeinsam mit der Zeit und halten wir zusammen. Dann wird Groß Partwitz weiter leben in den Herzen seiner früheren Einwohner, ihrer Kinder, Enkel und Urenkel und aller Ihrer Freunde nah und fern. Im sorbischen Kernland, in Crostwitz, stehen die Sätze: Běchmy, smy, budźemy. Wir waren, wird sind und wir werden sein.

In diesem Sinne: Feiern Sie diesen Tag, Sie haben es sich verdient.

Dankeschön!

(Grußwort von Marcel Braumann, Vorsitzender des Domowina-Regionalverbandes Hoyerswerda, beim 29. Partwitz-Treffen, 6. April 2019, am Denkmal für Groß Partwitz in Klein Partwitz, das zur Gemeinde Elsterheide gehört, 50 Jahre nach der Abbaggerung des Dorfes. An dem Treffen haben über hundert Menschen teilgenommen.)