#chemiewende #sorbisch

Die neue junge Garde macht zu Hause auf dem Dorf Hahnrupfen und andere sorbische Bräuche. Beim Studium in der Metropole bastelt sie an #startups für die Lausitz. Sie spricht sorbisch, sogar das besonders bedrohte Niedersorbisch. Neben Deutsch und Englisch.

Sie engagiert sich für die Revitalisierung des Sorbischen überall. Auch in der evangelischen Kirche. Sie gibt auf Facebook bescheiden vor, „unpolitisch“ zu sein, stößt aber zugleich als Mitglied des Bundesvorstandes des Sorben-Dachverbandes Domowina heiße strukturpolitische Debatten an.

Man achtet auch – in Zeiten der Fastfood-Leitkultur – wieder auf Körper, wo nach altrömischer Weisheit (oder Vorurteil) der (frei übersetzt) gut strukturierte Geist seinen gepflegten Sitz hat. Spielt bevorzugt Beachvolleyball, treibt Sport. Gut aussehen und klug sein muss sich ja nicht widersprechen 😉.

Einer der Namen: Maximilian Hassatzky aus Dissen, Student in Leipzig, der uns in Crostwitz die #chemiewende erklärte. Industriepolitische Klimawandel-Konsequenzen auf Niedersorbisch. Und auf Facebook das Oscar-Wilde-Motto pflegt: Am Ende wird alles gut; was noch nicht gut ist, ist noch nicht am Ende 😎.

Knježe Spahno, witajće k nam do Łužicy! Was Deutsche von Sorben lernen können

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Jens Spahn, hat also ein Problem damit, dass er in vielen Berliner Kneipen nicht mehr auf Deutsch bestellen kann. Als ich in Berlin wohnte, ist mir das noch nicht so aufgefallen, und wenn ich mich heute gelegentlich als Lausitzer Tourist in der Hauptstadt herumtreibe, ist mir das ehrlich gesagt wurst. Jedenfalls ist über die englisch sprechenden Kellner eine muntere Pro-und-Kontra-Debatte im Netz entbrannt

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-08/jens-spahn-cdu-hipster-restaurants-debatte

http://www.neuepresse.de/Nachrichten/Kultur/Uebersicht/Volksbuehnen-Intendant-stellt-sich-hinter-Jens-Spahn

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/vor-ort-muss-man-in-berlin-englisch-sprechen-15169756.html

Der Rahmen ist mit den üblichen polarisierten Gegensätzen abgesteckt, die sich zurufen, von der einen Seite: Das ist doch alles ganz hip! Von der anderen: Ich fühle mich hier nicht mehr zuhause.

Ich hatte in der Schule einen Kumpel, der verdiente sich die laufenden Kosten seiner Touren quer durch Europa damit, dass er sich in jeder größeren Stadt mit seiner Gitarre an den Straßenrand setzte und dazu sang. Nach einer Stunde hatte er im Regelfall genug Kohle für den Tag zusammen. Wo er mit den Leuten nebenbei länger kommunizierte, dürfte das auf Englisch stattgefunden haben. So wie heute die internationalen Aushilfskräfte in Clubs oder kleinen Handwerksbetrieben.

Lustig finde ich die Spahn-Kontroverse aus sorbischer Perspektive. Wo können wir im Sorbenland auf sorbisch ein Bier bestellen? Oder die Einkäufe auf sorbisch tätigen? Oder mit Handwerkern die Ausführung ihrer Leistung auf sorbisch besprechen? Auch in Gegenden mit mehrheitlich sorbischen Muttersprachlern ist das immer ein bisschen Glücksache. Die eine Verkäuferin kann, die andere nicht; der Chef des Unternehmens ist Sorbe, der Kollege von irgendwoher zugezogen, und wenn man als Kunde mit ihnen darüber redet, was jener Kollege zu machen hat, dann, Herr Spahn, findet das wohl überwiegend nicht auf Sorbisch statt.

Nun finde ich es ja sowieso etwas skurril, wenn ein Staatssekretär, der – wie ich gelesen habe – für digitale Bankdienstleistungen zuständig ist, Aversionen gegen’s Englisch entwickelt. Mich führte 1995 ein AOL-Account erstmals ins Internet – vorwiegend englisch. Als ein deutscher Anbieter die „Homepage“ als „Heimatseite“ anbot, fand ich das schräg. Sie hat sich auch nie durchgesetzt. Gleichwohl schwimmen wir heute in einer deutschsprachigen Internet-Welt und mein E-Mail-Postfach begrüßt mich ausschließlich deutsch.

Will sagen: Das Leben ist eine Sinus-Kurve, es gibt Wellenbewegungen. Man kann auf ihnen surfen, ohne sich in den „Hipster“- oder „Identitäts“-Kasten einzumauern. Deshalb: Herr Spahn, herzlich willkommen in der Lausitz, knježe Spahno, witajće k nam do Łužicy! Dann erklären wir Ihnen mal, wie das geht, das Dasein in der postmodernen, globalisierten Sprach-Community. Das müssen Sie nämlich lernen, sonst geht noch die Prognose meines früheren Chefs Prof. Porsch, eines Germanisten (!), in Erfüllung, dass das Sorbische einmal das Deutsche überleben wird. Da Porsch humorbegabter gebürtiger Wiener ist, lassen wir hier unerforscht, wie ernst das gemeint war.

PS. Natürlich finde ich es angemessen, wenn sich jemand, der sich irgendwo dann dauerhaft niederlässt, bemüht, zumindest ein Grundgerüst an Alltagskommunikation in der Eingeborenen-Sprache aufzubauen. So wie die zugewanderten Deutschen in „Sorbistan“ – Mist, ganz blödes Beispiel für Sprachintegration, wechseln wir lieber das Thema und reden über Schwaben in Berlin, ne, auch daneben. Herrje, mein suchender Blick erreicht S. in Hoyerswerda: Wie viel sorbisch ein kurdischer Flüchtling aus Syrien kann, das könnten wir ja zeigen. Ich höre schon seine Antwort: „Jězusmarja, was ist los bei euch? Dobru nócku!“

„Sie werden ja nicht erschossen“

Podiumsdiskussion von Serbske Nowiny und Domowina im Bautzener Haus der Sorben mit den Direktkandidaten des Bundestagswahlkreises. Ganz rechts von den Zuschauern aus gesehen sitzt Andreas L. Richter, Mitglied der Bürgerinitiative „Wir sind Deutschland“.

Das sind die, die keine Flüchtlinge haben wollen (siehe auch dazu passend Internetseite des Kandidaten), aber das in freundlicherem Ton sagen wollen als Pegida. Gegen Sorben hat Deutschland -Richter nichts. Allerdings braucht Deutschland mehr denn je die Braunkohle, und dafür müssten eben auch weiter Dörfer mit Sorben weggebaggert werden.

So schlimm sei das aber nicht, „sie werden ja nicht erschossen.“ Das ist also O-Ton, wenn das selbsternannte „Deutschland“ über Kollateralschäden bei der Durchsetzung vermeintlicher nationaler Interessen spricht. Man soll zufrieden sein, dass man nicht erschossen wird. Ist das jetzt die geforderte neue Kultur des Anstands? 😎

Mit Sprach-Guerilla gegen Witschas

Die Irrfahrt der Spitze des Bautzener Landratsamts geht weiter: Herr Vizelandrat Witschas erklärt seine Kuschel-Chats mit Nazi via „Oberlausitzer Kurier“ unwidersprochen zur „Gefährderansprache“. Darauf kann man auch nur innerhalb derselben rechten Parallelgesellschaft kommen.

Das Disziplinarverfahren, das Herr Witschas mittlerweile unter dem Druck der öffentlichen Debatte reichlich verspätet gegen sich beantragt hat (sein Chef Landrat Harig sieht offenbar keinen Handlungsbedarf), soll nach Darstellung des Landratsamts zum Beweis führen, dass alles in Ordnung ist. Ergebnisoffen sieht anders aus. Mal gucken, was die zuständige übergeordnete Landesdirektion aus der Sache macht.

Wenn das Landratsamt es so mit den Rechten hält, dann sollten auch wir unsere Rechte ab jetzt immer voll ausschöpfen. Das bedeutet: Kein deutsches Wort mehr im Behördenverkehr mit dem Bautzener Landratsamt . Alles auf Sorbisch – egal worum es geht und mit wem. So entspricht es der sächsischen Verfassung und dem Sorbengesetz. Und wehe euch, wenn eure hausinterne Übersetzung unserer Texte nicht tiptop ist und daher die Antwort auf falscher Grundlage beruht.

Ich verurteile physische, psychische und materielle Gewalt. Wir stehen für den Frieden, den Herr Witschas massiv stört. Mit einem Landratsamt, dessen verantwortliche Spitze nicht grundwertesicher ist, gibt es keine gemeinsame Sprache mehr. Sollte Herr Witschas also weiter im Amt gehalten werden, wäre eine solche sorbische „Sprachguerilla“ (aus dem Instrumentenkasten der „Spaßguerilla“) eine der vielen Möglichkeiten zivilgesellschaftlicher Gegenwehr, über die wir nachdenken sollten.

Mit einem Landratsamt, das mit Flüchtlingsfeinden kungelt und Leute, die illegale Wegweiser ohne Sorbisch „korrigieren“, von der Polizei verfolgen lässt (um nur mal zwei aktuelle Schandtaten herauszugreifen), gibt es keine gemeinsame Basis. Harig predigt im aktuellen Amtsblatt: „Wir sind ein Teil des Ganzen.“ Nein, das sind wir nicht. Dein „Ganzes“ ist nicht meines.

Links zum Thema:

http://www.mdr.de/sachsen/bautzen/witschas-greift-nach-strohhalm-landesdirektion-100.html

http://www.huffingtonpost.de/2017/08/28/cdu-npd-bautzen_n_17852802.html

„Influencer“ ohne Einfluss

Bei der Konkurrenz gucken schadet nie. Die CDU-Landtagsfraktion stellte in ihrer Zeitung die mutmaßlich meistgefolgte Bloggerin Sachsens vor – von um die zwanzigtausend regelmäßigen Interessenspersonen ist die Rede. Um Mode soll es da vor allem gehen. Als ich probeweise reinklickte, war’s ein (noch) unkommentierter Beitrag übers Leben mit Kreditkarte, der praktischerweise gleich in (vermutlich auch finanzieller) Zusammenarbeit mit Visa entstanden sei.

Solche Blogs gelten als „Influencer“. Was Einflussreichtum suggerieren soll. Das scheint die Statistik nahe zu legen, erreichen doch ansonsten recht erfolgreiche Blogs hierzulande kaum mehr als täglich 50 Reinguckende. Ich selbst spiele in der Liga der „Normalos“, mein Beitrag über Bautzens Vizelandrat erreichte bislang 577 Lesende, und mein Braumann-sorbisch-Blog Piwarc hat an guten Tagen so seine 200 Aufrufe. Ansonsten ist das Leben des Bloggenden wie das Dasein an sich eine Sinus-Kurve: mal rauf, mal runter.

Die „Influencer“-Nummer ist ein Treppenwitz, der durch ständige Wiederholung nicht an Ernsthaftigkeit gewinnt. Keiner wäre in grauer Moderne-Frühzeit darauf gekommen, den massenhaft konsumierten Drei-Groschen-Romanen wegen ihrer exorbitanten Auflagen auch nur einen Hauch von gesellschaftlichem Einfluss zuzuschreiben. Sie waren Trash so wie die meisten „Influencer“-Blogs, die das Banale durch unentwegte Verdichtung kommunikativ scheinbar schwerwiegend machen. Während eine regionale Tageszeitung auch den meisten derer bekannt ist, die sie normalerweise nicht lesen, kennt die Banal-Blogs keine Sau außer denen, die in ihnen surfen – das ist, wie es bei den Drei-Groschen-Romanen war.

Ich versage mir den klischeehaften Verweis auf „Masse statt Klasse“, weil das so automatisch natürlich auch nicht stimmt. Allerdings funktioniert das Internet mit Netzwerken, und wenn ein kleiner Knoten von 50 Erreichten auf die Nachbarknoten ausstrahlt, die wiederum … (und so weiter), dann entstehen Einflüsse. Einfluss heißt ja nicht: Mich nehmen viele Leute wahr. Dieser Fehlschluss ist Narzissmus, die zeitgenössische Seelenstörung Nummer eins. Einfluss heißt, dass jemand durch das, was er in den Strom einfließen lässt, dessen Zusammensetzung bzw. Lauf, und sei es noch so minimal, verändert. Schwimmt das publizierende Individuum einfach nur auf dem Strom allgemeiner Gefühligkeit, fühlen sich in seinen Zeilen vielleicht ganz viele zu Hause, aber sie leben nach deren Lektüre weiter, als hätten sie sie nicht gelesen.

Ich habe überhaupt nichts gegen modische oder Mode-Blogs, ich gucke ja auch manchmal per Smartphone sinnfreie Videos zu reinen Entspannungszwecken. Ich gehe auch nicht davon aus, dass ich nun die große Einflusskanone bin – ich mische in meinem Kreisen ein bisschen mit, so wie das unzählige andere Leute in ihren Kreisen auch tun. Gemeinsam sind wir stark. Oder in einem schönen Bild von Jurij Brězan: „Ganz im Mittelpunkt unseres Kontinents – wie viele hierzulande irrtümlich glauben, also auch der Welt – entspringt die Satkula, ein Bach, der sieben Dörfer durchfließt und dann auf den Fluss trifft, der ihn schluckt. Wie die Atlanten, so kennt auch das Meer den Bach nicht, aber es wäre ein anderes Meer, nähme es nicht auch das Wasser der Satkula auf.“

„Er sagt, was er macht“

Für uns Mitteleuropäer links der Mitte steht eigentlich fest: Trump ist ein universales Unglück, Obama war ein tragischer Held. Auch ihr Umgang mit Muslimen fließt in diese Bewertung ein.

Nun musste ich neulich beim Abendessen in Dresden wieder zur Kenntnis nehmen, dass meine jungen muslimischen Freunde aus Syrien das ganz anders sehen. Trump sei besser, denn „er sagt, was er macht.“ Im Unterschied zu Obama.

Der gute Obama wurde zwar rasch zum Friedensnobelpreisträger, aber seine Drohnen und „chirurgischen“ Operationen töteten fast ohne Unterlass – manchmal auch „versehentlich“ eine Hochzeitsgesellschaft. Darüber wurde in unseren Breiten mangels eigener Betroffenheit weniger ausführlich berichtet.

Aus Sicht meiner syrischen Freunde ist Trump, den die Politikelite der westlichen Welt für absolut unzuverlässig hält, ein zuverlässig berechenbarer, transparent agierender Politiker.

Das dürfte nicht die ganze Wahrheit sein. Aber unsere ist es vielleicht auch nicht. Wer global analysieren will, sollte global mit denen diskutieren, die mit Politikfolgen praktisch vertraut sind. Das schafft Einsichten jenseits grüner Tische.

Wetten, wann Witschas geht

Der Lokalchef der „Sächsischen Zeitung“ Bautzen bleibt auch nach dem Entzug der Zuständigkeit von CDU-Vizelandrat Udo Witschas für die Ausländerbehörde dabei: „Echte Konsequenzen sind angesagt, politische Kosmetik kann sich der Landrat sparen.“ Ja, er bescheinigt CDU-Landrat Michael Harig, er stricke „fleißig mit an der Legende, Witschas habe alles getan, die Lage in Bautzen zu beruhigen.

Harigs Legende vom Deeskalator

Das Gegenteil ist der Fall: Der Vize-Landrat hat mit provozierenden Interviews die Lage eher verschärft. (Anm. MDB: so etwa dieses: http://www.sz-online.de/nachrichten/der-asylbewerber-hat-provoziert-3742966.html, das die Fakten auf den Kopf stellt http://www.mdr.de/investigativ/bautzen-kornmarkt-fluechtlinge-rechte-100.html.)

Und er hat einen stadtbekannten Neonazi mit Informationen aus dem Landratsamt versorgt. Sein Gegenüber nutzte diese Quelle, um eine rechtsextreme Facebookseite zu füttern. Witschas wusste das und stimmte sich in einzelnen Fällen sogar detailliert mit dem ehemaligen NPD-Mann ab. Ein solches Verhalten wirkt nicht deeskalierend, es stärkt die rechtsextreme Szene.“

http://www.sz-online.de/nachrichten/kommentar-politische-kosmetik-genuegt-nicht-3756280.html

Witschas weiter Herr über jugendliche Geflüchtete?

Hinzu kommt verschärfend, wie Annalena Schmidt gerade geschrieben hat, dass Witschas mit dem Jugendamt für „unbegleitete minderjährige Asylsuchende“ zuständig bleibe:

http://www.schmanle.de/2017/08/23/endgueltiger-vertrauensverlust/

Das eigentlich – unbeschadet möglicher Abwahlanträge im Kreistag – auf der Hand liegende beamtenrechtliche Disziplinarverfahren gegen Witschas, das Sachsens Linksfraktionschef Rico Gebhardt angeregt hat, mochte Harig bisher nicht einleiten:

http://www.linksfraktionsachsen.de/index.php?section=news&cmd=details&newsid=4904&teaserId=6

Neben Chat „mit offenen Worten“ telefoniert

Und das nicht, obwohl die Durchsicht des kompletten Chatprotokolls, dass auf einer Sondersitzung des Landrats und seines Stellvertreters mit den Fraktionsvorsitzenden des Kreistags am Montagabend vorgelegt wurde, ergeben hat, dass es zusätzlich zu dem schon unüberbietbar skandalösen Chatprotokoll weiteren Witschas/Wruck-Telefonverkehr „mit offenen Worten“ gab, wie Radebergs OB und SPD/GRÜNE-Kreistagsfraktionschef Gerhard Lemm auf Twitter kundtat:

https://twitter.com/gerhard_lemm/status/900282308720300032

Harigs derzeitige Position ist allerdings auch nicht vergnügungssteuerpflichtig: Er laviert irgendwo in der Mitte zwischen einem CDU-Kreistagsfraktionschef, der gar keinen Fehler sehen wollte, und CDU-Parteimitgliedern, die einen Rücktritt von Witschas schon für angemessen halten. Die CDU Bautzen hatte ja selbst auf ihrer Facebookseite dieses breite Spektrum von parteiinternen Statements zur Sache beschrieben:

https://twitter.com/conny123452 (auf Twitter zitiert von Leserin der Facebook-Antwort)

So fordert die CDU-Stadträtin Elisabeth Hauswald, die zur Gruppe Bautzener „Stadträte für Respekt und Miteinander“ gehört, öffentlich den Rücktritt von Witschas

http://www.sz-online.de/nachrichten/ruecktritt-von-witschas-gefordert-3757000.html

Jetzt (24.8.) ließ sich gar der stellvertretende CDU-Kreistagsfraktionsvorsitzende, der Radiborer Bürgermeister Vinzenz Baberschke, in der sorbischen Zeitung „Serbske Nowiny“ dahingehend vernehmen, es sei mit gewissem Abstand eine entstandene Dynamik in der Angelegenheit des 1. Beigeordneten Witschas zu beobachten. Die CDU-Fraktion werde sich auf einer Sitzung am kommenden Montag verständigen. Unterdessen haben die Fraktionen SPD/GRÜNE und LINKE bereits das Quorum für eine Kreistags-Sondersitzung erfüllt.

Nun ist die „NPD-Chataffäre“, wie sie der MDR-Sachsenspiegel bezeichnet. schon vom puren Inhalt her eigentlich das sichere Ende für jeden Politiker, der als im demokratisch-bürgerlichen Spektrum angesiedelt verstanden werden möchte:

http://www.mdr.de/sachsen/bautzen/chat-protokoll-102.html

Dass die Lokalpresse inzwischen den Vizelandrat einer gravierenden unzutreffenden Aussage bei seiner Rechtfertigung und damit des „Durchstechens“ von Dienstgeheimnissen an eine kreisbekannte Führungsfigur der rechtsextremen Szene überführt hatte (siehe letzter Absatz des Beitrags in der Sonnabend-Ausgabe), wirkt zusätzlich schwer belastend:

https://www.sz-online.de/nachrichten/tillich-fordert-aufklaerung-zu-npd-kontakten-3753796.html

Rohrkrepierer „Unerfahrenheit“

Wie heikel selbst der langgediente Landrat Michael Harig die Lage einschätzt, ergibt sich schon aus seiner argumentativen Ausflucht in die vermeintliche „Unerfahrenheit“ seines ersten Beigeordneten:

https://www.sz-online.de/nachrichten/landrat-watscht-witschas-ab-3755463.html

Das löst aber nicht nur beim Kommentator der sorbischen Zeitung „Serbske Nowiny“ Kopfschütteln aus. Herr Witschas ist 16 Jahre hauptamtlicher Politiker, überwiegend als Bürgermeister. Da weiß man, was geht und was nicht. Und dass das, was er mit Herrn Wruck getrieben hat, eigentlich nicht geht, weiß er auch, schließlich hatte er selbst im Chat von zu erwartendem Ärger gesprochen.

Rücktrittsforderungen unumstößlich

Wer nun sagt, in Bautzen wird so einer eben im Amt gehalten, geht in der konkreten Sache m.E. fehl. Gerade weil es im Landkreis Bautzen auch so aussieht, wie das Bündnis „Bautzen bleibt bunt“ in seiner auf Rücktritt von Witschas abzielenden Petition geschrieben hat, kann er unmöglich an führender Stelle im Landratsamt verbleiben, wenn nicht der Ruf des Kreises (und nebenbei auch der des Freistaates) restlos ruiniert werden sollte:

https://www.openpetition.de/petition/online/tun-sie-etwas-gegen-den-rechtsradikalismus-im-kreis-bautzen

Das Bündnis „Willkommen in Bautzen“ hält an seiner Rücktrittsforderung fest:

https://www.facebook.com/willkommeninbautzen/posts/674193172774107

Auch Kreis-Spitzenpolitiker wie Linksfraktionschef Ralph Büchner und Dirk Nasdala von den Freien Wählern fordern weitere Konsequenzen

http://www.mdr.de/mediathek/mdr-videos/a/video-132120.html

http://m.sz-online.de/nachrichten/wir-erwarten-weitere-konsequenzen-3756265.html

Falls die CDU bockig bleiben sollte, wird als Alternative „Degradierung“ von Witschas erwogen. So könnte er mit einfacher Mehrheit vom 1. zum 2. Beigeordneten zurückgestuft werden, wenn der Landrat zustimmt.

http://www.mdr.de/sachsen/bautzen/spd-fuer-sondersitzung-witschas-100.html

Dann würde die parteilose 2. Beigeordnete Birgit Weber erste Stellvertreterin von CDU-Landrat Harig werden.

http://www.lr-online.de/regionen/hoyerswerda/Neues-Trio-an-der-Kreisspitze;art1060,4158624

http://www.landkreis-bautzen.de/2665.html

Die einzige wirkliche Lösung ist und bleibt jedoch die schlichte Abwahl und damit die Verabschiedung von Herrn Witschas aus dem Landratsamt, wier sie nun fraktionsübergreifend angestrebt wird:

http://www.sz-online.de/nachrichten/fall-witschas-sondersitzung-gefordert-3757220.html

Die Vorbelastung ist einfach zu groß. Auch die von Herrn Witschas. Zunächst erklärte er vor einem halben Jahr sein Unverständnis über die Förderung von Flüchtlings-Integrationsprojekten in Bautzen. Ausgerechnet im soziokulturellen Zentrum „Steinhaus“, über das er später per Facebook-Messenger mit Wruck konspirieren sollte:

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1061097.cdu-politiker-schickt-nazispitzel.html

Kurz bevor seine Vertraulichkeiten mit dem führenden Nazi enthüllt wurden, hatte er noch dem MDR-Reporter Arndt Ginzel, der auch Mitautor des Buchs „Unter Sachsen“ ist (wo er über Überfälle von Rechtsextremisten auf sorbische Jugendliche schreibt), auf mehrfaches Nachfragen zu verstehen gegeben, dass ihm nicht bekannt sein, dass mindestens 250 Rechtsextremisten in seinem Landkreis ihr Unwesen treiben, wie selbst der Verfassungsschutz weiß:

http://www.mdr.de/investigativ/video-129102.html

Nazis geachtet statt geächtet

Der Grundsatz „Mit Nazis spricht man nicht“, den der „Tagesspiegel“-Journalist und Sachsen-Kenner Matthias Meisner, Mitherausgeber des Buches „Unter Sachsen. Zwischen Wut und Willkommen“, auf unserer gemeinsamen Podiumsdiskussion am Donnerstag im „Haus der Sorben“ in Bautzen unter großer Zustimmung der Anwesenden im überfüllten größten Saal des Hauses auf den Punkt brachte

http://www.lr-online.de/regionen/hoyerswerda/Matthias-Meisner-Mit-Nazis-spricht-man-nicht;art1060,6166416,

wird von einem Teil des politischen Establishments der Region anhaltend vorsätzlich missverstanden (auch Landrat Harig traf sich wiederholt mit Wruck, wenngleich nicht in der von Witschas gewählten intimen Kommunikationsweise). In einer Demokratie müsse man doch mit allen reden. Natürlich wird bspw. ein Bürgermeister einem Menschen, der sich in seinem Redebeitrag auf einer Einwohnerversammlung faktisch als Nazi entpuppt, ordentlich antworten. Es steht aber nirgendwo geschrieben, dass man Funktionäre und Rädelsführer menschenfeindlicher Bewegungen durch Direktkontakt achtet und aufwertet.

Ich habe auf besagter Veranstaltung im Zusammenhang mit dem äußerst bescheidenen juristischen Ergebnis der Staatsanwaltschaft nach der Serie von Übergriffen auf sorbische Jugendliche 2014 sinngemäß gesagt: Die Polizei, insbesondere das OAZ und sein Chef Bernd Merbitz, aber auch Repräsentanten der demokratischen Parteien und der Zivilgesellschaft, haben den sorbischen Jugendlichen den Rücken gestärkt. Unterm Strich ist unser Selbstbewusstsein im Gebrauch der sorbischen Sprache im öffentlichen Raum gestärkt worden. Entscheidend ist nicht die Zahl der Gerichtsurteile, sondern ob solche Umtriebe abseits der Zivilisation klar geächtet werden.

Im Fall Witschas geschieht das Gegenteil: Achten statt Ächten. Und diejenigen, die sich um eine freundliche, humane Gesellschaft kümmern, und sei es als Flüchtlingshelfer, werden als verdächtig behandelt.

Landkreis Bautzen Schlusslicht bei dezentraler Refugees-Unterbringung

Witschas verwahrt sich in seinem Chat mit Wruck gegen ein „Integrationszentrum“ Spreehotel, weil ein „Zentrum“ nicht zu Integration passe. Tatsächlich aber steht der Landkreis Bautzen (trotz erheblichen Wohnungsleerstandes) der Antwort von CDU-Innenminister Markus Ulbig auf eine Kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten der LINKEN, Juliane Nagel, zufolge sachsenweit mit Abstand an der Spitze bei zentraler Unterbringung von Menschen im Asylverfahren:

http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=10060&dok_art=Drs&leg_per=6&pos_dok=1&dok_id=undefined

Über 75 Prozent zentral Untergebrachte im Landkreis Bautzen, nur 25,67 Prozent dezentral bzw. in Wohnungen. Im Landkreis Görlitz leben 40,5 Prozent in Wohnungen, in Leipzig fast die Hälfte (trotz Wohnungsmangel).

Vergessen wollen wir auch nicht (Danke für Hinweis auf Facebook, Tobias Wilke), dass der CDU-Kreisverband Bautzen seinerzeit „überhaupt keine Veranlassung“ sah, den CDU-Gemeinderat zu rügen oder zu kritisieren, der als Mitwirkender einer selbsternannten „Bürgerwehr“ von Arnsdorf auftrat, die einen irakischen Epilepsiepatienten ohne jede Not geschlagen und gefesselt hatte…

http://www.tagesspiegel.de/politik/arnsdorf-in-sachsen-buergerwehr-fesselt-fluechtling-nach-streit-im-supermarkt/13678214.html

Fazit

Ganz begreife ich nicht, warum Landrat Harig und de facto auch der CDU-Kreistagsfraktionschef mit ihrem Spiel aus Kosmetik und Blockade den Konflikt immer näher an die Bundestagswahl heranlaufen lassen. Jeder weiß, dass jedes Wort der vergangenen Tage auch gesagt worden wäre, wenn am 24. September keine Bundestagswahl wäre. Es reicht einfach: Vor drei Jahren machte der Bautzener CDU-Kreisvorstand mit NPD-Sprech von sich reden, der Bautzener CDU-Landtagsabgeordnete Marko Schiemann distanzierte sich öffentlich:

https://lauterbautzner.eu/2014/09/23/schiemann-distanziert-kreis-cdu-19455591/

Der Auszug aus dem Interview Schiemans mit der „Sächsischen Zeitung“ Bautzen unter Bezugnahme auf den NPD-Sprech-O-Ton der Kreis-CDU ist hier dokumentiert:

https://jule.linxxnet.de/wp-content/uploads/2014/09/SZ_Bautzen_Auszug.png

Wer das nochmal nachliest, wundert sich über gar nichts mehr. Sollte Witschas jetzt bleiben, hätte die politische NPD-Logik im Mantel der Christdemokratie in unserem Kreis gesiegt. Das möchte ich weder unserem Heimatlandkreis noch denjenigen meiner sorbischen Freundinnen und Freunde zumuten, die als gute wertkonservative Christen der hiesigen CDU angehören. Deshalb kann Herr Witschas nicht im Spitzenbereich der Landkreisverwaltung bleiben, wenn das Amt nicht von allen guten Geistern verlassen sein soll.

PS.:

Die Lausitzer Bundestagsabgeordnete der LINKEN, Caren Lay, berichtete auf der „Unter Sachsen“-Diskussion im Haus der Sorben die Begebenheit mit einer schwarzafrikanischen Frau, die wegen des rassistischen Klimas von Bautzen nach Hoyerswerda gezogen sei, wo sie nun in Ruhe leben könne, und ihr das dort im Büro erzählt habe. Weltoffenes Hoyerswerda. Wie kam es dazu, nach den rassistischen Pogromen von 1991?

Ein Hoyerswerdaer Kommunalpolitiker klärte mir das so auf: Wir ziehen hier seit 25 Jahren mit der RAA durch die Schulen. Das wirkt sich aus. – Da ist zu fragen: Was wurde seit Anfang der 90-er in der Stadt Bautzen, wo sich jetzt die Konflikte so zuspitzen, getan, wie stand insbesondere die CDU in all den Jahren zu konsequenter antirassistischer Bildungsarbeit?

https://raa-sachsen.de/raa-sachsen-4.html

http://www.raa-hoyerswerda.de/

Foto: Der zurzeit fast ausgetrocknet erscheinende Bautzener Stausee – fast wie ein Symbol für das, was Witschas und Harig gerade in den Sand setzen.

Wenn Witschas, Wruck u.a. Bautzen mal drei Monate in Ruhe ließen

Wäre (Noch?)-Landrats-Vize #Bautzen Udo #Witschas zum #UnterSachsen -Abend ins Haus der Sorben

http://www.lr-online.de/regionen/hoyerswerda/Matthias-Meisner-Mit-Nazis-spricht-man-nicht;art1060,6166416

gekommen – hätte dann die Ausschlussklausel gegen Personen, die „der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind“, auf ihn Anwendung gefunden 😎? Schließlich kursierte zu diesem Zeitpunkt schon das Chatprotokoll von Witschas und einem führenden Nazi des Kreises, in dem der CDU -Mann nach allgemeiner Medieneinschätzung vertraulich wie mit einem Parteifreund kommunizierte. Also gefühlt Männer derselben „Szene“ 😒.

http://m.sz-online.de/nachrichten/der-vertraute-rechtsextreme-3752954.html

Das Landratsamt Bautzen war von Anfang an das rechte Gegenstück zu #RefugeesWelcome. Als unsereiner im Frühjahr 2015 ohne Mietanspruch zwei junge syrische Kurden aus der nahen Asylunterkunft für knapp zwei Jahre bei sich im Haus aufnahm (mittlerweile wohnen und arbeiten sie in Hoyerswerda bzw. der Kamenzer Gegend), ging dem ein langwieriges Ringen mit der Behörde voraus. Man fremdelte offenbar trotz erheblicher Kostenersparnis mit solcherart familiärer Integration. Die Zustände in der Ausländerbehörde in Kamenz waren sowie unbeschreiblich. Und als es eine Außenstelle in Bautzen gab, empfing uns dort ein glatzköpfiges Security-Duo mit einem Jargon, den ich mir bei schlechten Gefängnisaufsehern vorstelle.

Wie von mir bei #UnterSachsen gesagt: Wir Sorben sind seit 1.500 Jahren in der #Lausitz , haben die Deutschen irgendwie integriert 😊und werden auch künftig unseren Beitrag zur Integration weiterer Migranten leisten. – Die Deutschen dürfen sogar in ihrer Sprache sprechen 😉, es wäre daher im Sinne einer gewissen historischen Dankbarkeit nett, wenn das Landratsamt diejenigen, die seine illegalen einsprachigen Wegweiser mit der sorbischen Bezeichnung ergänzen, nicht mehr von der Polizei verfolgen lassen würde.

Nicht als Domowina-Präsidiumsmitglied, sondern privat als @piwarc füge ich hinzu: Da nun schon „King Abode“ drei Monate Bautzen nicht betreten darf – können nicht vielleicht auch die Witschas- und Wruck-Szenetypen ein Vierteljahr lang einfach mal diese schöne Stadt, die „Hauptstadt der Sorben“ 😉, in Ruhe lassen, damit wir entspannter leben können?

Salam aleikum! Wam wšěm. Und allen Menschen guten Willens.

Das Gesichtsbuch spinnt

Facebook_SpamFacebook_StandardsDer Versuch, diesen NTV (!)-Beitrag über Gregor Gysis Statement zu FKK auf Facebook zu posten, http://www.n-tv.de/leute/Gysi-findet-Verschwinden-von-FKK-schade-article19974617.html

verbunden mit eigenem Kommentar dazu, scheiterte erstmal daran, dass Facebook die Veröffentlichung unter Verweis auf Spam automatisiert ablehnte. Die Bekräftigung, der Post sei Absicht, nicht Spam, wurde mit der Ankündigung gekontert, er könne gegen die sogenannten gemeinschaftlichen Standards dieser Kommunikationsplattform verstoßen und müsse daher nochmal einzeln kontrolliert werden.

Meine traditionellen Vorurteile, dass Facebook letztlich nur ein streng regulierter belangloser Umschlagsplatz für Trash aller Art ist, werden durch diesen Eingriff gegen die intelligente Kombination aus Geist und Körper aufs Heftigste bekräftigt. Oder unter dem Motto #Abendland gesagt: Meine muslimischen Freunde aus dem Morgenland hätten mit der NTV-Illustration kein Problem, aber ein Unternehmen, in dessen Herkunftsland die Waffenkultur des legalisierten privaten Totschießens (natürlich nur im vermeintlichen Notfall) herrscht, sieht die Welt durch nackte Hinterteile am Strand bedroht.

Anknüpfend an Gysi ist man fast versucht zu sagen: Nicht nur FKK verschwindet, sondern auch die öffentliche Kommunikation darüber wird eingeschränkt, damit sich bloß niemand mehr ein Bild davon machen kann. Nein, so schlimm ist es nicht; wenn man Hintern dokumentieren will, muss man das ja nicht auf dem Gesichtsbuch tun. Und eigentlich geht uns doch Facebook sowieso am Arsch vorbei. Wer gegenüber Hass toleranter ist als gegenüber Nacktheit, hat ein vom guten Geschmack abweichendes Verständnis von Freizügigkeit.

Die ganz Jungen sind da längst weg und bei Snapchat, wo sie sich ihre hübschen Körper ungehindert untereinander zuschicken, ehe sie wunschgemäß blitzartig wieder verschwinden.