Würde man erforschen, wie viel diejenigen, die Marx gerade besonders viel Verehrung oder Verachtung zollen, eigentlich von ihm gelesen haben, käme man vermutlich zu lustigen, wenig überraschenden Ergebnissen. Schließlich ist auch die Zahl derer, die das Neue Testament durchgelesen haben, überschaubar, während fast jeder zu sagen vermag, wer dieser Jesus war.

Der Prophet der Nächsten- und Feindesliebe auf der einen und der Prophet der sozialen Gleichheit auf der anderen Seite passen bestens zusammen: Sie sind direkt benachbarte Projektionsflächen existenzieller Menschheitshoffnungen. Deshalb arbeiten die meisten derer, die auch nur einen Zipfel der Macht des gegenwärtigen Establishments in Händen halten, daran zu behaupten, dass die beiden unvereinbar seien oder gar der eine nach zwei Jahrtausenden noch sehr lebendig und der andere zweihundert Jahre nach seiner Geburt mausetot sei. So gerade erst wieder ein provinzieller CDU-Landtagsabgeordneter, der bisher mehr als Anpassungskünstler denn als Leistungsträger aufgefallen ist.

Nun wissen wir ja aus Jesu Zeit, dass die Schriftgelehrten das größte Problem waren, und so ist es auch bei Marx. Selig sind die geistlich Armen, denn ihnen gehört das Himmelreich; glücklich werden nur die ideologischen Analphabeten, denn sie wissen, wie echtes Miteinander machbar ist. Also bitte weder „bibelfest“ noch „Marxist“ .

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