Frank Richter ist immer für eine Überraschung gut. Nun will er OB von Meißen werden. Warum nicht, der Amtsinhaber hatte sich ja in den letzten Jahren nicht gerade durch Mut und Beherztheit bei der öffentlichen Auseinandersetzung mit rechten Umtrieben ausgezeichnet.

Richters Ruf gründet in seiner Beteiligung an der legendären „Gruppe der 20“ im Dresdner Wendeherbst 1989. Damals noch als katholischer Priester. Letzteres, sowohl der Beruf wie die Konfession, sind Vergangenheit, auch das im Stillen langjährig getragene CDU-Parteibuch hat er zurückgegeben. Er war inzwischen viel, zum Beispiel Chef der Landeszentrale für politische Bildung, und derzeit ist er Geschäftsführer der Dresdner Frauenkirchen-Stiftung.

Richtig gut fand ich seinen Moderationsjob bei der Ansiedlung von Asylunterkünften bei Bürgerprotesten. Weniger gut finde ich seine pauschale (populistische?) Behauptung im heutigen Interview mit der „Sächsischen Zeitung“: „Die Funktionsträger aller politischen Parteien sind austauschbar.“ Aha, dann frage ich mich nur, wie er mit seinem Mantra „Kommunikation!“ unsere Welt retten will. Denn stimmte dieser Satz, wäre das gegenwärtige politische System nicht zu retten.

Tatsächlich ist der Satz Quatsch mit Soße. Gerade bei jüngeren Funktionsträgern nehme ich verstärkte kulturelle Unterschiede wahr, wachsende Verschiedenheit in der politischen Kultur. Es mag ja 1989/90 oft Zufall gewesen sein, in welcher Partei jemand gelandet ist. Heute aber dürfte es für niemanden einerlei sein, ob er/sie/es nun zur Jungen Union oder Linksjugend geht. Weil es nämlich programmatische Unterschiede gibt. Nur wenn es die gibt, ist der Ruf nach mehr Reden ja sinnvoll. Ansonsten verlöre sich alles in Gerede.

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