Das „Unbehagen in den Kulturen“, das der linkslibertäre Autor Keman Malik in seinem gleichnamigen Buch beschreibt, welches ich dankenswerterweise von meinem weltläufigen Vater zu Weihnachten geschenkt bekam und zwischenzeitlich ausgelesen habe, ist gefühlt die derzeitige Haupttriebfeder gesellschaftlichen Umbruchs, egal aus welcher politischer Richtung.

Wer weiß denn noch oder überhaupt, dass Gebetsräume in Betrieben vor Jahrzehnten eine Idee regierender französischer Konservativer gewesen sind, um die soziale Leidenschaft migrantischer Arbeiter innerhalb der Gewerkschaftsbewegung mit Hilfe der Religion zu dämpfen. Das Projekt war „erfolgreich“: Heute ist „radikal“ in jenem Milieu der Begriff für religiösen Fundamentalismus, früher stand er im Zusammenhang mit „links“.

Wie sich in den USA beim Durchmarsch von Trump gegen Clinton zeigte, sind die sich als links verstehenden gesellschaftlichen Bewegungen inzwischen selbst stark auf Identitätspolitik fokussiert: also auf die Zusage an jeden und jede, dass man so bleiben könne, solle, dürfe, möge, wie man ist. Das Fortschrittliche ist gleichwohl die Transformation, ohne sie gibt’s keine Lebendigkeit, wie unser eigener Lebensweg vom Kind zum Greis belegt.

Meine sozialdemokratischen Großväter wünschten eine Zukunft im weißen Kittel statt im Blaumann. Dieser Fortschritt ist nun, da die Mehrheit im Büro sitzt, womöglich erledigt. Aber deshalb müssen wir die Aufmerksamkeit nicht allein in der Gestaltung des individualisierten Wellness-Bereiches versenken. Zur Sonne und Freiheit kommt man durch gemeinsame Veränderung.

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