Sachsens Kurzzeit-Kultusminister Haubitz sei den politischen Heldentod für die neue Idee (Lehrer-Verbeamtung) gestorben – heißt aus dem Wald der Lobbyisten. Das einst von der Monarchie erfundene Berufsbeamtentum ist aber ein Ladenhüter von vorgestern und mag dem Philologenverband, dem Haubitz zuvor vorstand, und dem Lehrerverband als bekömmlich erscheinen: weil es die Konkurrenz der „echten“ (1) Gewerkschaft, der GEW, schwächen würde.

Dass Schulleiter auch in Sachsen Beamte sind, ist schlimm genug. Die Folgen für den bildungspolitischen Diskurs vor Ort sind allenthalben zu besichtigen. Verleihung des Beamtenstatus ist im Regelfall Sterbehilfe für eine offene Debatte auf Kosten des Dienstherrn.

Von den anderen Lehrern könnten rein rechtlich sowieso drei Viertel gar nicht Beamte werden – aber das interessiert den Ex- und Bald-wieder-Schulleiter Haubitz natürlich nicht. Dass er mit seiner demonstrativen Unkenntnis demokratisch legitimierter und geregelter politischer Prozesse eine Peinlichkeit nach der anderen produziert hat, ficht seine Fans sowieso nicht an, die Hemdsärmeligkeit mit Coolness verwechseln.

Ganz abgesehen von seinem penetranten DDR-Kollektiv-Sprech: „meine Lehrer“, „meine Schüler“. Wer als Minister in einem Rundschreiben an Schulleiter mitteilt, dass nun die Lehrer-Verbeamtung auf der Tagesordnung stehe, bevor er darüber das Gespräch mit der gewählten Volksvertretung, dem Parlament, gesucht hat, und dann in diesem Stil weitermacht, möge in sein Klotzscher Königreich zurückkehren.

Dass Neu-MP Kreeetschmer Haubitz erst mit Lob überschüttet, um ihn dann abzuschießen, nachdem der Herr Gymnasialdirektor-Beamter aus Klotzsche von Kreeetschmers Vorgänger Tillich vermutlich im Einvernehmen mit dem designierten Nachfolger berufen wurde, passt irgendwie – paradox, aber perfekt – in die Inszenierung „Haubitz“ mit rein. Und nebenbei erfüllte Kreeetschmer damit brav die Rücktrittsforderung aus der CDU-Fraktion gegen Haubitz.

Für die Attraktivitätssteigerung des Lehrer-Berufs lässt sich viel tun – zum Beispiel all die Grausamkeiten der sächsischen Kultusbürokratie beim Umgang mit der Lehrerschaft beseitigen, statt Neulehrer mit dem goldenen Käfig „Beamter“ zu ködern zu versuchen (ohne den Rest der Bevölkerung zu fragen, ob er die Pensionen bezahlen will). Mal gucken, ob der Neu-Kultusminister, mein Namensvetter Piwarz (Piwarc ist ja mein sorbischer Blogger-Name) nun Klügeres anstellt.

So bleibt von Haubitz vor allem dieser Satz unvergessen: „Ich kannte mich nicht ganz so aus, dass man sich in der Politik da an bestimmte Regeln halten muss.“

Und die Verbeamtung? In den meisten Bundesländern sind Lehrer Beamte – na und? Überall außer in Sachsen wurde der arbeitsfreie Buß- und Bettag als staatlicher Feiertag gestrichen und damit aus einer 2×2-Tage-Woche mit unzähligen „Brückentagen“ eine normale Arbeitswoche gemacht. Dank Kurt Biedenkopf wurde dieser Unsinn in Sachsen nicht mitgemacht. Also bleiben wir auch beim Thema Lehrer-Verbeamtung bei der Vernunft. Die Demokratie braucht an der Schule keine Beamten.

(1) Wer für Verbeamtung und damit Streikverbot kämpft, kann eigentlich nicht als „Gewerkschaft“ gelten

https://www.sz-online.de/nachrichten/jetzt-fuehlen-wir-uns-verarscht-3842885.html

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