Gestern Abend fand sich erstmals in der Wahlperiode 2017-2021 der Bildungsausschuss des Domowina-Bundesvorstandes zusammen. Als Ausschuss-Vorsitzender fiel mir die Aufgabe zu, die Sitzung in Hoyerswerda zu moderieren. Erste Auffälligkeit: Von den acht Anwesenden sind drei Sorben mit Migrationshintergrund, also Menschen, die weder in einer sorbischen Familie noch irgendwo in der Lausitz geboren sind. Dieser Unterschied spielt jedoch in der sorbischen Community keinerlei Rolle – hier entscheidet nicht, woher man kommt, sondern wohin man geht, also nix mit „Blut und Boden“.

Zweite Auffälligkeit: Es wurde mit absoluter Selbstverständlichkeit abwechselnd über Schulpolitik in Sachsen und Brandenburg gesprochen, über Praktisches wie Grundsätzliches. Und alle, die am Tisch saßen, hörten jeweils aufmerksam zu. Wir sind die einige Lausitz – im Herzen, völlig unabhängig von administrativen Grenzen.

Das Thema des Ausschusses ist „kubłanje w narodnym duchu“ und damit unübersetzbar. Bzw. ein hübsches Beispiel dafür, dass man sorbische Texte nicht 1:1 ins Deutsche übersetzen kann, ohne Unsinn zu produzieren. Eine solche Übersetzung hieße „Bildung im nationalen Geist“. Also im günstigsten Fall AfD, die die Sorben aber weit unterdurchschnittlich gewählt haben. Schon gar nicht ein sorbischer Nationalismus, denn für Unterwerfungsgelüste gibt es in der friedlichen langen sorbischen Geschichte keinerlei Beleg.

Gemeint ist, das war Konsens am Tisch, die geistige und seelische Verwurzelung in der sorbischen Sprache. Und daraus folgend ihre konsequente Pflege und überzeugte Weiterentwicklung. Was mir am Sorbischen am liebsten ist: Es tut sich schwer mit Abstraktem, Absolutem, Bürokratischem. Weil es ja nie Herrschaftssprache war. Es will Beziehungen und die Sachen, um die es geht, abbilden.

Bunte Bräuche und schöne Kleider gehören dazu – als Wegweiser auf das Sorbische selbst, also die Sprache. Auch das ist bei den Engagierten im Sorbenland Konsens. Was wir als Bildungsausschuss dazu konkret beitragen wollen, haben wir besprochen und werden wir beizeiten von uns hören lassen. Lasst Euch überraschen!

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