Die ZEIT widmete neulich eine Doppelseite einem besonders schillernden Beispiel von „Fake-News“-Produktion. Der Chemtrails-Bewegung. Und scheiterte grandios. Auf sehr typische Weise.

Es ist selbstredend kinderleicht nachzuweisen, dass die künstliche Wolkenbildung nicht von bösen Mächten betrieben wird, sondern ganz banal von der Verdoppelung des Flugverkehrs binnen fünfzehn Jahren.

Das eigentliche Problem der Leute ist aber ein ästhetisch begründetes Missfallen, das ich im Übrigen als Hobby-Meteorologe schon lange teile (wie viele andere Leute auch, die ebenso mit Chemtrails-Legenden nichts zu tun haben). Dass es nur noch selten schönen blauen Himmel gibt. Und stattdessen an vielen, eigentlich wolkenlosen Tagen, so eine hässliche milchige Soße. Gerade in Regionen unter internationalen Luftverkehrstrassen wie bei uns in der Lausitz ist das zu beobachten.

Nur noch an Tagen mit starkem Hochdruck (vereinfacht gesagt und viele andere Komponenten beiseite lassend) haben wir die Chance auf einen richtigen blauen Himmel. Die aber sind bei uns klimatisch eher selten.

Die mediale Aufmerksamkeit generiert sich immer an punktuellen Katastrophen. Wenn ein Massenmörder in den USA bei einem Volksfest fünfzig Leute erschießt, ist das wochenlang großes Thema. Tatsächlich kommen in den USA täglich so viele Menschen durch Schusswaffengebrauch zu Tode – aber jeweils einzeln und über einen Subkontinent verteilt. Das spielt massenmedial keine Rolle.

Wenn sich etwas als Prozess langsam steigert, wird’s gleich gar nicht registriert. So beschäftigte man sich zwar vor Jahren wochenlang mit der unsichtbaren Aschenwolke durch einen Vulkanausbruch auf Island, durch die die Flugzeuge nicht mehr fliegen konnten (ungewollter Beitrag zum blauen Himmel). Aber die beständige Zunahme der Konsensstreifen-bedingten Bewölkung und Vermilchung des Sonnenscheins findet nahezu keine Erwähnung.

Also denken sich die Leute: Da wird wohl was vertuscht. Das Problem kann man lösen: In jeder Wettervorhersage den Anteil zu erwartender künstlicher Wolkenbildung ausdrücklich erwähnen. Dann kann die Gesellschaft rational darüber debattieren, ob sie vielleicht lieber weniger Flugzeuge fliegen lässt und mehr blauen Himmel haben will.

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