Die Werbefinanzierung der kostenlos zugänglichen journalistischen Angebote im Internet wird ja gern im Namen vermeintlich wertvollerer klassischer gedruckter Publikationsangebote problematisiert. Kann man machen. Kann man aber auch sein lassen.

Wenn ich mir meine Donnerstags-Droge ZEIT zum Beispiel vergleichend anschaue, die nun schon trickreich aufklappbare Titelseiten produziert, um auch da noch Werbung zu platzieren, bin ich manchmal versucht zu fragen, ob nicht hier zuerst die Annoncen für die Utensilien eines bestimmten Lifestyles sind und dann der dazu passende, standesgemäß kritische, aber immer elegant abgewogene Inhalt?

Besonders auffällig wurde dies, als der Verlag zusätzlich ein Männermagazin auf den Markt warf, in dem die Markenprodukte von Duft bis Kleidung von Werbegesichtern präsentiert wurden, die offenbar irgendwie die gemutmaßte Entschlossenheit der anvisierten Entscheider-Zielgruppe mittelalterlicher Herren in mehr oder weniger leitenden Funktionen simulieren sollten. Warum ich für das wenig aufregende journalistische Füllmaterial zwischen diesen Gestalten auch noch Geld bezahlen soll, erschloss sich mir nicht.

Da lobe ich mir dieses andere, schon länger existierende, maskuline Fitness-Fördermagazin mit dem englischen Zungenbrecher-Namen, das programmatisch klar auf die Mitte des Körpers ausgerichtet ist. Mal etwas oberhalb, mal etwas unterhalb der Gürtellinie. Und gemäß dem altrömischen Sprichwort mens sana in corpore sano die positiven mentalen Folgen der Pflege dieser zentralen Region fürs zentrale Nervensystem kultiviert. Das ist ein ehrliches Konzept. Man muss so was nicht ständig lesen, weil es sich natürlich irgendwie ziemlich ähnlich wiederholt, aber es muss einem auch nicht peinlich sein, so was bisweilen zu konsumieren.

Kurzum: „Niveau“ ist manchmal eher eine Frage des Gefühls als der Fakten. Es gibt infolgedessen mehr Auskunft darüber, wo sich eine selbstverordnete „Mitte“ der „bürgerlichen“ Gesellschaft zu befinden meint. Einschließlich der Insignien ihres Lebenswandels. Das ändert nichts daran, dass ein gewisses Reflexionsniveau seinen Unterhaltungswert hat, weshalb ich treuer Leser bleibe.

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