Der Funkturm der Flurfunker funkt aktuell zur Digitalisierung. Natürlich auf hochglänzendem Totholz, was heute bevorzugt zum Einsatz kommt, wenn ganz Wichtiges und damit Unvergängliches besprochen wird. Irgendwie entspringt das unserer Urangst, das schöne Internet könnte plötzlich schlagartig wieder vergehen – Papier dagegen gilt als beständig wie Stein, um nicht zu sagen beständiger, weil der Verwitterung entzogen, wenn es nur richtig gelagert und gepflegt wird.

Das sächsische bzw. angehende mitteldeutsche Medienmagazin funktioniert nicht nur als Motor des Wettbewerbs zwischen CDU-, LINKE- und SPD-Fraktion um die ansprechendste Anzeige. Sondern auch als Seismograf des Diskurses unter Medienmachern über zeitgenössische Brennpunkt-Themen. In diesem Sinne sei dem edlen Totholz langes Leben gewünscht.

Ich habe noch nie Computer gemocht, aber das Internet schloss ich von Anbeginn in mein Herz. Smartphone und Wolke – das reicht im Grunde. Das Büro brauche ich eigentlich nicht, und auch nicht das abgelagerte Papier. Ungemein beruhigend fand ich die Nachricht, dass das geordnete Archivieren von Mails ihre Auffindbarkeit nur erschwert. Ich war wie mein Vater nie ein Fan systematischer Aktenführung – die alten klugen Männer, die bei jeder Frage ihre endlosen Regale nach dem passenden Stück Papier aus vergangener Zeit mit der vermeintlichen Antwort fürs Hier und Jetzt absuchen, sind mir ein Horrorbild. So wollen wir nicht einmal enden.

2008 gründete ich meinen sorbischen Blog Piwarc und begann privat zu twittern, ehe sich der dienstliche Twitter-Account hinzugesellte. Zwischenzeitlich sind Facebook und Instagram dazugekommen – und dieser Blog hier. Nicht zu vergessen die unvermeidliche XING-Visitenkarte. Meine relativ größte Reichweite hat der Piwarc – er entspricht im Vergleich zur Größe der sorbischen Community in etwa der Leserschaft der BILD-Zeitung in Deutschland. Sowas kriegt im Großen kein Blogger hin – bisher nicht.

Daher habe ich mit Filterblase und so meine ganz spezifische Erfahrung. Die wiederum beim Umgang mit sächsischer und weiterer Öffentlichkeit hilfreich ist. Wobei mein Anspruch in allen Netzen ist, wider den Stachel zu löcken und Filterblasen zum Platzen zu bringen. Denn Fortschritt braucht frische Luft.

Das ist auch das, was den Funkturm zu einem Leuchtturm macht: Er denkt und schreibt unabhängig von Filterblasen. Deshalb verschont er uns auch im Digitalisierungs-Heft mit der ultimativen Weisheit, die sowieso im nächsten Jahr überholt wäre. Er teilt unsere Sehnsucht, dass Digitalisierung zu direkterer Kommunikation und flacheren Hierarchien führt. Ob’s überall so kommt, weiß ich nicht. Aber ich selbst halte mich dran.

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