Dieses Kunstwerk in der Edel-Passage gegenüber der Dresdner Frauenkirche scheint nicht zu provozieren. Anders als die drei sich himmelwärts reckenden Busse draußen auf dem Platz vor der Kirche, die an eine vor Scharfschützen schützende Straßensperre im bürgerkriegszerrütteten syrischen Aleppo erinnern sollen.

Am Tag vor der offiziellen Einweihung waren wir zufällig dort. Angesichts der mannshohen Werbung einer bayerischen Sparkasse wäre ich nicht auf die Idee gekommen, dass der ausrangierte Bus, auf den mein Blick fiel, etwas mit Aleppo zu tun hat. Außerdem favorisiere ich Kunst mit einem Minimum handwerklicher Eigenleistung, wo die Arbeit also nicht ausschließlich in Event-Logistik besteht. Aber auch das ist Geschmackssache, und wir hanseatisch Aufgewachsenen sind gelassen beim Umgang mit Ungewohntem.

Mir ist allerdings herzlich egal, welche Fahne mal wann wie lange auf dem syrischen Original geweht hat. Und diese Sakralisierung des öffentlichen Raumes, bei der dann jede Zugabe als Verschmutzung verstanden wird, ist mir sowieso fremd. Wem die Busse nicht passen, muss nicht mehr hingucken, wohl wissend: In ein paar Wochen ist das Ding wieder weg.

Provokation? Naja, es war alles erwartbar, einschließlich Reaktionen und Gegenreaktionen. Jeder kann sich auf der Seite des Wahren und Guten wähnen. Der Interview-Tätigkeit einer großen Regionalzeitung zum Kunstwerk entnehme ich als Quintessenz: Assad und der IS sind ganz böse, die verschiedenen Rebellen-Gruppen je nach Ansicht mehr moderat oder radikal, und Putin lässt Zivilisten bombardieren.

Mit dieser scheinbar über jeden Zweifel erhabenen Mainstream-Interpretation des Grauens ist allerdings nicht die Antwort auf die wirklich drängende Frage gegeben, warum in den letzten Jahren die Vertreibung der Despoten nicht zu menschenrechtlichen Verbesserungen geführt hat. Die ewige Wiederholung gleicher Debatten bringt nichts. Und macht schon gar nicht klüger.

So bleibt nur der groteske i-Punkt, dass das klassisch „anstößige“ Kunstwerk in der Passage unangefochten bleibt, während um Busse (!) großes Geschrei veranstaltet wird. Nun ist das Nachspiel: Auf der heutigen Leserbrief-Seite der „Sächsischen Zeitung“ steht es 13:2 gegen die Busse.

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