Ich bitte alle um Vergebung, die meiner gestern telefonisch nicht habhaft geworden sind. Aber die Eröffnung meines 55. Lebensjahres, das ja objektiv dem Ende der eigenen Zeitlichkeit näher ist als dem Anfang, habe ich an einen Ort zwischen Himmel und Erde verlegt. Bei einem Bocksbeutel der Marke „Randersackerer Ewig Leben“ (war Weihnachtsgeschenk eines alten Freundes) in einer Genossenschafts-Gästewohnung. Gewissermaßen auf der Platte.

11. Etage auf dem Dach mit Blick auf Landtag, Semperoper, Hofkirche, ein bisschen Frauenkirche usw. Die Staatskanzlei zur Seite fast in Augenhöhe. Was Dresden eben so als Visitenkarte präsentiert. Selbstverständluch habe ich bei allerbestem Netzempfang alle guten Wünsche auf Mailbox, WhatsApp, StayFriends, Facebook, per SMS und Mail freudig zur Kenntnis genommen, auch kein gescheiterter Anrufversuch ist mir, wenngleich mit Zeitverzögerung, entgangen. Aber reden mit der Welt – das sollte hier oben mal einen Tag pausieren.

Zu den unvergesslichen Momenten gehört die Start-Anekdote am Geburtstagsmorgen. Das Auto in eine andere Park-Zone gestellt, beim Konsum Brötchen geholt. In den Vorbau des Hochhauses kam ich noch, doch die zweite Tür, die nur durch Berührung des Schlüssels mit einem Sensor zum Öffnen gebracht wird, blieb verschlossen. Glücklicherweise kam in diesem Moment eine ältere Dame raus und ich somit rein. Doch oben war die Feuerschutztür vor der Wohnung ein unüberwindliches, weil geschlossenes Hindernis.

Sollte der Computer unsere Zugangsberechtigung vorzeitig gelöscht haben? Anruf beim Betreuer von der Wohnungsgenossenschaft. „Ich bin in fünf Minuten bei Ihnen.“ Kurz darauf Anruf von ihm: „Ich bin vor Ihrer Wohnung; sind Sie sicher, dass Sie im richtigen Haus sind?“ War ich natürlich nicht. Hatte nur alles gleich ausgesehen, weshalb ich mir den Blick auf die Hausnummer erspart hatte 😉.

Als wir uns dann im richtigen Haus trafen, entfuhr es meiner Zerknirschtheit: „So bekloppte Gäste hatten Sie wahrscheinlich noch nie.“ Kulante liebenswürdige Erwiderung: „Ach wissen Sie, es passiert viel.“ Daraufhin bekam ich die Kurve: „Wir kommen vom Dorf. Wir müssen uns hier erst an die Rahmenbedingungen gewöhnen.“ 😊

Zwecks Einstimmung auf den Aufenthalt vertiefe ich mich in die im Schrank bereitliegende unterhaltsame Lektüre „Plattengeflüster“ – „Texte aus und in der Platte von der Schreibwerkstatt des Vereins aktives Leben“. Sie passt zur dörflichen Atmosphäre hier wie auf einer Insel inmitten der Großstadt, wo man schon auf der Straße vor erstmaligem Betreten des Hauses von wildfremden Leuten richtig einsortiert wird: „Sie sind sicher bei uns in der Gästewohnung.“

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