Die Begründung eines bedingungslosen Grundeinkommens hat sich innerhalb von Jahrzehnten radikal geändert. Zunächst war die Idee vorherrschend, der Menschheit gehe durch Automatisierung, Rationalisierung und Roboterisierung die Arbeit aus. Die „überflüssig“ gewordenen Arbeirskräfte müssten versorgt werden. Davon kann heute keine Rede mehr sein.

Es sind viele neue Jobs im Dienstleistungsbereich entstanden. Aber sie sind oft schlecht bezahlt und prekär, also ungesichert. Deshalb müsse den Menschen mit einem bedingungslosen Grundeinkommen mehr Souveränität gegeben werden. Dabei lassen sich diese beiden Probleme viel naheliegender so lösen: durch einen ausreichend hohen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn und die Rücknahme der gesetzgeberischen Ausweitung von Leiharbeit und Minijobs.

Natürlich ist es eine charmante Idee, auch Menschen ohne Vermögen ein Leben als Privatier zu ermöglichen, also auch auf Wunsch frei von Erwerbsarbeit existieren zu können. Vielleicht sollte jeder leistungslose Vermögende, der infolge unzureichender Besteuerung noch nicht entreichert wurde, die Auflage bekommen, einigen gestressten Werktätigen ebenfalls eine solche Existenz zu bezahlen. Als ausgleichende Gerechtigkeit.

Dass aber freiwillig Arbeitende freiwillig Nichtarbeitenden abseits von Kindheit/Jugend, Alter, Ausbildung, Krankheit oder sonstiger Bedürftigkeit den Alltag finanzieren müssten, würde wahrscheinlich die soziale Unruhe hervorrufen, die der SZ-Autor mit dem bedingungslosen Grundeinkommen gerade verhindern will. Also geht es stattdessen um Aufwertung der Arbeit, von der man zur Zeit nur schlecht oder gar nicht leben kann.

Auch Industriearbeiter wurden einst miserabel bezahlt. Dass heute in der Metallindustrie selbst in der Lausitz ein Ungelernter deutlich über Mindestlohn verdienen kann, ist das Ergebnis langer Kämpfe. Der IG Metall sei Dank! Es ist also kein Naturgesetz, dass beispielsweise Menschen in Pflegediensten zu Hungerlöhnen arbeiten müssen.

Das Faszinierende am bedingungslosen Grundeinkommen ist, dass es Anhänger und Gegner von rechts bis links hat. Der letzte Schrei ist, dass es allen zuteil und dann wieder bei denen wegbesteuert werden soll, die es nicht brauchen. Damit aber würde es zum fiskalischen Monstrum. Das ändert nichts daran, dass die monströse Bürokratie im Jobcenter-Wesen beseitigt gehört, die zwar kaum echte Jobs bietet, dafür aber ihre unfreiwilligen „Kunden“ mit Paragraphen ohne Ende traktiert.

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