Sorbisch ist zunächst einmal eine Sprache. In ihr – und ausschließlich in ihr – werden jene Wertvorstellungen aufbewahrt, die das Zusammenleben in der sorbischen Alltagswelt konstituieren und es zur sorbischen Gesellschaft machen. – Das sind wortgleich bzw. sinngemäß die Ausführungen von Prof. Matthias Theodor Vogt, nur dass das Wort Deutsch durch Sorbisch ersetzt worden ist. Der Satz steht im Original im Zusammenhang mit der Integration von Migranten in Deutschland.

Dass diese Übertragung trotz Gleichberechtigungsanspruch in der sächsischen Landesverfassung nicht der Realität entspricht, offenbart den Kern des Problems. Man sehe mir nach, dass ich hier als Oberlausitzer Privat-Blogger nicht von Brandenburg spreche, das selbstverständlich zum Sorbischen dazugehört.

Das Sorbische siecht dahin – vor allem im öffentlichen Raum. Statt regelmäßig zahlreiche Neuankömmlinge zu integrieren, assimiliert es sich selbst hinweg. Durch ein Bildungsmodell „2 plus“, dessen wissenschaftlich bestätigter Effekt, natürlich verbrämt formuliert, so aussieht: Die deutschen Kinder lernen ein bisschen Sorbisch, sprechen es aber nicht, dafür wird die Muttersprache der sorbischen Kinder ruiniert.

Die anhaltende Streitfrage Dachverband der Vereine versus Sorben-Parlament – Domowina oder sejmik – ist mit Blick auf den langfristigen Fortbestand des Sorbischen relativ irrelevant verglichen mit der Frage: Wer stoppt die auch von sorbischen „Bildungsexperten“ mitzuverantwortende technokratische Selbstassimulierung innerhalb des sächsischen Schulsystems?

Das Gleiche gilt für die sich anbahnende Zerschlagung der lebendigen sorbisch-katholischen Kirchgemeinden durch Zwangsfusion. Obwohl diese Gemeinden faktisch das Rückgrat der sorbischen Alltagswelt im sogenannten Kerngebiet sind. Statt den neuen Bischof verfrüht als Freund der Sorben zu verehren, obwohl er bisher rein gar nichts für uns getan hat, wäre Vorbereitung des Widerstands klüger.

Das Sorbische bringen wir dann in die nächsten Generationen, wenn wir 2017 unter uns auf unbeschränkten Dialog-Modus schalten und nach außen klare Kante zeigen. Egal ob gegenüber dem Versagen der sächsischen Bildungsagentur oder kultureller Unsensibilität im Bischöflichen Ordinariat.

Wir haben 2002 im „Chróšćan zběžk“ um die Schließung der sorbischen Mittelschule in Crostwitz dafür gekämpft, dass kleinere sorbische, muttersprachliche Klassen zulässig werden, in die natürlich auch integrationswillige Kinder verschiedener Herkunft aufgenommen werden können, wie das ja in Crostwitz stets erfolgreich praktiziert wird. Dieser Kampf wurde von denen verraten, die in die Bildung größerer Klassen eingewilligt haben, in denen das Sorbische zurückgedrängt wird.

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