Im Zusammenhang mit der Berichterstattung über Al-Bakr findet nun auch „Hawala“ Erwähnung, „ein geheimes Transfersystem, das viele Syrer nutzen – an Zoll, Banken und Behörden vorbei“ („Freie Presse“ Chemnitz). Es sei ein System aus informellen Geldboten und per WhatsApp übermittelten Codes, durch das man zum Beispiel Familienangehörige in der alten Heimat finanziell unterstützen kann.

Natürlich ist das verboten – wo kommen wir hin, wenn Menschen die Banken nicht mehr brauchen, um sich wechselseitig finanziell unter die Arme zu greifen. Terroristen sind die letzten, die auf sowas angewiesen sind. Aber egal.

Einer meiner kurdischen Freunde unternahm vor Wochen den Versuch, ganz legal und ordentlich per Sparkasse neun (!) Euro an eine Terminvermittlungsagentur zu überweisen, die im Auftrag des deutschen Generalkonsulates in Erbil (Irak) Termine vergibt – etwa zwecks Vorsprache wegen gewünschten Familiennachzugs. Die Überweisung ist Bedingung für den Anruf bei der Agentur in der Türkei, mit dem die Prozedur eingeleitet wird, an deren Ende Monate später hoffentlich ein Termin für den Familienangehörigen vor Ort steht. Die Bankverbindung war vorgegeben, wurde aber ihrem Namen nicht gerecht. Der in der Lausitz lebende Kurde hatte zwar brav 20 (!) Euro Gebühr bezahlt, um die neun Euro zu entrichten, doch das Empfänger-Geldinstitut verweigerte die Annahme, man müsse erst beglaubigt bekommen, dass die Transaktion nichts mit Syrien zu tun habe.

Das ist nicht ganz einfach, geht es doch um einen syrischen Staatsbürger, der sich Assads Militär durch Weggang in den Irak entzogen hat. Also schrieben wir – wie von der Sparkasse empfohlen – ganz viel Erklärendes auf. Natürlich auch die genaue Anschrift des Betroffenen im Irak. Doch der Bank gefiel die Adresse nicht, wohl weil es sich nicht um ein Wohnhaus handelt, sondern das Gebäude einer gastronomischen Einrichtung (wo der Junge gelegentlich arbeitet und ein Zimmer hat). Also wichen wir auf die in diesem Fall bestehende Bezahlalternative aus: meine Kreditkarte, mit der man während des Telefonats bezahlen kann. Er selbst aber hätte die Bezahlung per Bank nicht durchführen können.

Will sagen: Der „Untergrund“ ist relativ. Es dürfte eine Menge Menschen geben, an die man – ganz abgesehen von abenteuerlichen Gebühren – als Freund oder Familienmitglied im Ausland das Geld auf den offiziell vorgesehen Wegen gar nicht herankriegt. Während dubiosen „Hedge-Fonds“ und anderen Finanzakrobaten jenseits des Gemeinwohls von Geldinstituten immer ein Weg gewiesen wird. Wer kein Bein auf die Erde bekommt, geht in den Untergrund. Nicht in Betrugsabsicht, sondern aus Fürsorge – nicht zuletzt für die Menschen, die einem persönlich lieb und teuer sind.

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