Der unbegleitete minderjährige Asylsuchende ist der neue Schreckensritter, jedenfalls wenn ich öffentliche und private Wortmeldungen der letzten Zeit aus unserer Region Revue passieren lasse: Anmaßend, frech, kurzum eine Zumutung.

Nun ist das aus Erwachsenensicht chronisch abweichende Fehlverhalten Jugendlicher seit der antiken Komödie ein Dauerbrenner, also seit ungefähr achtzig Generationen. Gern wird dabei seither weltweit zwischen in- und ausländischen Unreifen differenziert, wobei das Befremden ob der zweiten Gruppe traditionell führend ist.

Da es auch im globalen Maßstab ziemlich aus der Mode gekommen ist, Zwölfjährige zur Arbeit und in die Ehe zu schicken und somit die Kindheit bruchlos ins Erwachsenensein zu überführen, treibt das Phänomen „Jugend“ im durchschnittlichen Erdenleben des 21. Jahrhunderts ein bis anderthalb Jahrzehnte sein Unwesen. Besonders bei der männlichen Hälfte der Menschen, deren Reifung etwas zeitraubender zu sein scheint als bei Menschen ohne Y-Chromosom.

Natürlich sind ausländische Jugendliche scheinbar provokativer als inländische, weil sie noch nicht über das Arsenal von Tricks verfügen, ihre Abweichung vom Erwachsenenverhalten in landestypischer Weise so zu tarnen, dass man von den Älteren außer gelegentlicher Nörgelei weitgehend in Ruhe gelassen wird. Generell gilt für diese Altersgruppe der Wankelmut als Krisenkriterium, nicht selten gepaart mit Phasen kultivierter Langeweile, also des Ab- bzw. gemeinsamen Rumhängens.

Im Unterschied zu uns „Best Agers“, die ob des gefühlten Zerrinnens der Zeit bereits im Morgengrauen Aktivitäten kumulieren, um „noch“ alles zu schaffen, hat der Adoleszente endlos Zeit. Man kann also komplette Wochenenden in Shisha-Rauchen und Diskos versenken, ohne Gewissensbisse zu verspüren, sein Leben zu vertun. Das unmittelbare Zusammenwohnen dieser beiden Alterskohorten ist daher tendenziell spannungsgeladen und sollte zeitlich begrenzt werden.

In der griechischen Antike haben die jungen Männer aus den besseren Kreisen ab und an bei den älteren Herren gelegen, ihren geistigen Förderern. Wobei uns schon Sokrates in Platons „Gastmahl“ lehrt, dass die von heute in Rückschau unterstellte sexuelle Komponente in diesen Beziehungen von den wahren Meistern verschmäht wurde. Sie liebten den Jungen, aber eben „platonisch“. Und hofften auf eine Freundschaft fürs Leben, die das Verwelken des Fleisches überdauert.

Zurück zu den UMAs, dieser personifizierten ungefilterten männlichen Jugendlichkeit, die nach ihrer Ankunft in Deutschland ebenso wie die „allein reisenden“ jungen Volljährigen kaum geliebt, sondern zum verwaltungstechnischen Betreuungsfall der Jugendhilfe gemacht wird. Eigentlich wollen sie nur – wie wir alle auch – geliebt werden. Liebe außerhalb klassischer Beziehungskisten und Eltern-Kind-Konstellation gilt jedoch in unserer durchregulierten Gesellschaft als etwas Unordentliches, Verdächtiges. Aber Integration mit Herz und Verstand gibt es nur in solcherart „unordentlichen“ Verhältnissen.

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