Wozu brauche er eine tolle Uhr, für ihn bleibe die Zeit stehen. So heißt sinngemäß sein hübscher philosophischer Slogan unter der eigenen Telefonnummer in einem bekannten Internet-Kommunikationsdienst. Fragst Du seinen Kumpel, was er gestern gemacht hat, beginnt er stets mit erinnerungstechnischen Ausgrabungsleistungen, als widme er sich ferner Vergangenheit.

EIGENTLICH lebt unser Gehirn immer in einem Drei-Sekunden-Abschnitt, der den Augenblick der Präsenz umgreift. Wir in einer Kultur der Dialektik von Hektik und Plan Aufgewachsenen werden aber abwechselnd von Vergangenheit und Zukunft besetzt. Menschen, die vor allem im Hier und Jetzt verankert sind, erscheinen uns komischerweise realitätsfremd, obwohl dieses Etikett eher unserer Identifizierung mit Fiktionen anzuheften ist, die sich geistig wahlweise an Erinnerungs-Konstrukte einerseits und phantasierte Vorhaben andererseits hängt.

So werden bei uns die Jungen von einem Zuviel und die Alten von einem Zuwenig an Zukunft belastet. Die Jungen fühlen sich oft überfordert angesichts der auf sie einstürzenden Masse von auszuwählenden künftigen Optionen; und die Alten haben das Gefühl, ihnen entfliehe die dahinschwindende Zukunft, während die  sich auftürmende Vergangenheit mit all dem Unvollendeten auf sie drückt.

Den gegenwärtigen Moment auskosten zu können ist die Eintrittskarte für den ewigen Augenblick, in dem sich Vergangenheit und Zukunft aufheben. Die Zeitläufte verlieren ihre angstmachende Wirkung. Der Mensch darf einfach sein – und ab und zu entspannt nach vorn und zurück schauen.

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