Rechtzeitig zum Jahreswechsel kam wieder Wein aus W├╝rzburg – von einem meiner ehemaligen Mitbr├╝der aus der gemeinsamen Zeit in der Kongregation der Missionare von Mariannhill. Guter Wein ist f├╝r mich das Herzst├╝ck der christlich-abendl├Ąndischen Kultur, so wie ich sie erlernt habe ­čśŐ. Dazu geh├Ârt die Konzentration auf H├Âhepunkte, das hei├čt ich trinke ihn fast ausschlie├člich abends am Wochenende sowie an Sonn- und Feiertagen.

Den ersten Alkohol meines Lebens trank ich als 20-j├Ąhriger Novize im Missionshaus St. Josef in Reimlingen am Rande des im schw├Ąbischen Teil Bayerns gelegenen N├Ârdlinger Rieses. Nach dem Abendessen in einem Rekreation genannten Raum, wo man noch beisammensa├č und redete. Und des ├Âfteren dazu etwas trank, bevorzugt eben den Wein.

Manchmal wurden mir hinterher auf dem Weg ins Zimmer die Beine schwer – und der Kopf sowieso. Schlecht war mir nie, und im klassischen Sinne betrunken war auch nie jemand. Gute Stimmung war immer, und – im Wein liegt die Wahrheit, weil er die verklemmte Zunge l├Âst – es kam praktisch jeder mit jedem irgendwann mal ins Gespr├Ąch, egal wie gro├č der Alters- und Mentalit├Ątsunterschied war. Der Wein befl├╝gelt kommunikative Grenz├╝berschreitungen und macht damit das zwischenmenschliche Leben spannender ­čśŐ.

Meinen – ganz oder ├╝berwiegend alkoholabstinenten – muslimischen Freunden sage ich es bei einer gemeinsamen Tasse Tee gerne so: Im Mittelpunkt unserer Religion steht der kultivierte Rausch, die gesellige Ekstase. Beim letzten Abendmahl, gewisserma├čen dem biblischen Gr├╝ndungsakt des Christentums, wurde Wein getrunken. Und der Wein steht bis heute als Zeichen f├╝r das Blut des Mensch gewordenen Gottessohnes im Mittelpunkt der Liturgie. Das hat die ganze Gesellschaft gepr├Ągt, auch die ohne bewussten religi├Âsen Bezug.

Ich trinke gerne zusammen mit anderen Leuten Tee. Aber wenn ein solches Ereignis gelentlich unter der Bezeichnung „Fest“ l├Ąuft, dann stelle ich trocken fest: Ein Fest ist f├╝r mich was anderes. ­čśë Nat├╝rlich kann man ohne Wein / Alkohol viel Spa├č haben, und mir wurde schon ├Âfter nachgesagt, ich geh├Ârte zu denen, die sch├Ân „n├╝chtern betrunken“ sein k├Ânnten. Dennoch m├Âchte ich den Wein nicht missen.

Pers├Ânlich bin ich Purist. Sehr selten trinke ich Bier, weil ich davon einen dumpfen Kopf kriege. Wodka, Obstler und so meide ich weitgehend, weil ich einen empfindlichen Magen habe. Von Schnaps halte ich sowieso nichts: Er f├╝hrt in gr├Â├čerer Menge nach meinen Erfahrungen mit Schnaps Konsumierenden ins Vergessen – sie wissen dann hinterher nicht mehr, was eigentlich los war. Sowas ist f├╝r mich vertane Lebenszeit.

Shisha-Rauchen macht zwar etwas high (allerdings nicht genug, um Lust auf ein kleines „Spiel mit den Feuer“ zu kriegen ­čśë), aber um den Preis eines infernalischen Nebels (weshalb es bei mir zu Hause nur unter freiem Himmel stattfindet), der viele interessante potenzielle Mitfeiernde vertreibt. Im ├╝brigen verk├╝rzt es das Leben und untergr├Ąbt die Gesundheit, w├Ąhrend der Wein schon im Mittelalter in W├╝rzburger Altersheimen als t├Ągliches Therapeutikum in der Satzung verankert war.

Es kann sich jeder berauschen, wie er will. Ich fand allerdings meine bisherigen Begegnungen mit Bekifften mit gro├čen Pupillen nicht so an- und aufregend. Wahrscheinlich liegt es daran, dass mein jugendlicher Kiff-Versuch in W├╝rzburg an Wirkungslosigkeit scheiterte und ich in diese Sph├Ąre einfach bewusstseinsm├Ą├čig nicht reinkomme. Das aber ist ihr Nachteil gegen├╝ber Wein: Da tut es der Kommunikation keinen Abbruch, wenn nur einer trinkt und der andere nicht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / ├ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / ├ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / ├ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / ├ändern )

Verbinde mit %s